Predigt Welttag der GCL 2026, Hamburg-Langenhorn
Les: Ez 37,12b–14; Röm 8,8–11; Ev Joh 11,1–45 (oder
11,3–7.17.20–27.33b–45)
„Der Geist ist es, der
lebendig macht.“ (Joh 6,63)
Nach einem intensiven Tag mit Gesprächen,
Beratungen über die Satzung und einer Entscheidung über Zukunft der GCL im
Erzbistum Hamburg sind wir nun als geistliche Gemeinschaft zur hl. Messe
versammelt, zum Lob- und Dankopfer unseres Herrn Jesus Christus.
Was bedeutet das eigentlich, eine
„geistliche Gemeinschaft“ zu sein? Besteht das Geistliche darin, dass wir heute
Morgen mit einem geistlichen Impuls begonnen haben? Oder dass wir ein
Tischgebet sprechen? Was ist geistliche Gemeinschaft? Die Texte zum heutigen
Sonntag können uns Hinweise geben! Drei Hinweise habe ich gefunden:
1/ Eine geistliche Gemeinschaft
lebt aus einer Verheißung. Es ist eine Hoffnung, wie sie in der Lesung
aus dem Propheten Ezechiel Ausdruck findet. „Ich gebe meinen Geist in euch,
dann werdet ihr lebendig!“ (Ez 37,14)
Zugrunde liegt die Erfahrung,
dass nicht alles gut ist, das ist Tod und Verderben gibt in dieser Welt, ein
Leben in der Fremde, dass nicht alles in Ordnung ist. Und in diese unheilvolle Situation
hinein kommt das Wort Gottes, das Leben verheißt, Glauben schenkt, Hoffnung
stiftet, Liebe entzündet. Das ist das Geistliche an einer geistlichen
Gemeinschaft: der Geist, den sie eben nicht aus sich heraus hat, wie ein Verein
oder ein Fußball-Club, der einen bestimmten „Sportsgeist“ hat, sondern es ist
ein Geist, der ihr von Gott, geschenkt wird, vor aller Leistung und trotz aller
Schuld. Im Evangelium nach Johannes heißt es: „Der Geist ist es, der lebendig
macht.“ (Joh 6,63) Es ist die Spiritualität, die die Gemeinschaft prägt.
„Was hast du, dass du nicht
empfangen hättest?“ (1Kor 4,7) fragt Paulus die Gemeinde in Korinth. Und das
fragt er auch uns als geistliche Gemeinschaft: „Was hast du, dass du nicht
empfangen hättest?“ (1Kor 4,7)
2/ Eine geistliche Gemeinschaft
lebt aus dieser Verheißung im Hier und Jetzt, d.h. heute und nicht erst
irgendwann. Das ist spannend im heutigen Evangelium, dass Martha und Maria durchaus
schon vor der Begegnung mit Jesus an das ewige Leben und an die Auferstehung
glauben. Sie glauben, wie Martha es formuliert, dass ihr Bruder Lazarus „auferstehen
wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.“ (V 24). Sie glauben auch, dass
dieser Jesus, den sie kennengelernt haben, heilen kann, deshalb sagen sie
beide: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben!“ (V
21/ 32). Dass Jesus allerdings nicht nur heilen kann, sondern auch den Tod
besiegt, das ist für sie neu, unbegreiflich. Das geht über ihren Glauben an die
Auferstehung hinaus.
Aber genau das ist es, was
Christen glauben: dass Gott nicht irgendwann, am Jüngsten Tag Auferstehung
schenken wird, sondern dass er in Jesus Christus schon hier und jetzt den Tod
besiegt hat, dass der Tod, auch wenn wir alle sterben werden, letztendlich schon
überwunden ist. Das bedeutet, dass Gemeinschaft mit dem Gott des Lebens nicht nur
irgendwann, sondern schon heute möglich ist: „Herrlichkeit Gottes“ (V40) zu
sehen. Christen glauben: es gibt "ewiges Leben" auch vor dem Tod! Das bedeutet für uns: Gemeinschaft
mit Gott und Gemeinschaft miteinander sind möglich, auch konfessionsverbindend.
3/ Eine geistliche Gemeinschaft
ist lebendig und schenkt Leben für andere. Denn: „Der Geist ist es, der
lebendig macht“, bedeutet, dass dieser Geist nicht nur die eigene Gemeinschaft
lebendig macht, sondern durch die Gemeinschaft dieses Leben weitergibt an
andere.
Das ist die Sendung unserer
geistlichen Gemeinschaft, als eine Hingabe, als eine Form „Menschsein für
andere“ zu leben. Die Auferweckung des Lazarus ist im Johannes-Evangelium ein
Zeichen, genauer: das siebte Zeichen und letzte Zeichen vor der Kreuzigung. Dieses
Zeichen führt andere zum Glauben: „Jesus sprach: Vater, […] wegen der Menge,
die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich
gesandt hast.“ (V42)
Ich fasse zusammen:
- eine geistliche Gemeinschaft lebt aus einer Verheißung, die sie empfangen hat. Das ist ihre Spiritualität.
- eine geistliche Gemeinschaft lebt im Hier und Jetzt, nicht erst irgendwann. Sie lebt Gemeinschaft mit Gott und miteinander.
- eine geistliche Gemeinschaft ist lebendig und gibt Leben weiter. Das ist ihre Sendung.
Ich glaube, das sind drei charakteristische Züge einer geistlichen Gemeinschaft und sie hängen mit den drei Dimensionen der GCL zusammen. Mögen wir auf dem Weg zu einer Diözesangemeinschaft und als Diözesangemeinschaft wirklich eine geistliche sein!
