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| Dom, Schwerin |
Predigt Erster Fastensonntag A 2026, Hamburg | Manresa
Les: Gen 2, 7-9; 3,1-7; Röm 5,
12-19 oder Röm 5, 12.17-19; Mt 4, 1-11
Liebe Geschwister!
Täglich dringen Tausende von
Viren auf uns ein: durch die Nahrung, durch die Luft, durch den direkten
Kontakt. Das ist je nach Lebensumständen verschieden, aber meistens reagiert
unser Immunsystem und wehrt diese Viren ab bzw. bekämpft sie effektiv. Wir
werden nicht krank, sondern bleiben gesund.
In geistlicher Hinsicht gibt es
wohl nicht so viele tägliche Angriffe auf unser inneres Immunsystem, auf unsere
Seele, doch es gibt sie! Damit meine ich jetzt nicht die kleinen süßen
Versuchungen, die meine sorgsam begonnene Diät hinfällig machen. Oder die
ständigen Herausforderungen, bei denen man zwischen kurzfristiger Befriedigung
und langfristig Zielen abwägen muss; jede Form von Suchtverhalten gehört dazu.
Sondern ich meine die geistlichen Versuchungen, die dahinter liegen, die Angst
z.B., im Leben zu kurz zu kommen, oder der Zweifel, ob ich Gott wirklich
vertrauen kann.
Von solcher Art von Versuchung
berichtet die heutige Lesung aus dem Buch Genesis. Die Erzählung von der
Schlange ist ein mythisches Motiv, dessen Vorgeschichte für uns im Dunkel
bleibt. Mithilfe dieser Erzählung reflektiert die Bibel jedoch auf eine wunderbare
und verständliche Weise, die soziale Wirklichkeit des Menschen.
Der Mensch lebt in einer Welt,
die alles andere als ideal ist. Sie ist voller Widersprüche, Widrigkeiten und
Gefährdungen, bis hin zur Grenze des Todes, auch des sozialen Todes.
Die Geschichte führt uns heute
direkt mitten hinein, an des Pudels Kern. Sie deckt auf, was hinter dieser
Dynamik steckt, d.h. woher die geistlichen Versuchungen stammen, unter denen
wir leben müssen, obwohl die Welt von Gott eigentlich gut geschaffen wurde.
Ja, Gott hat den Menschen wie
alle anderen Tiere und Pflanzen gut geschaffen. Dem Menschen schenkte er den
Lebensatem und gab ihm einen Garten voller Bäume, schön anzusehen und köstlich
zu essen. Es steht übrigens hier bei den Bäumen nicht nur „die Früchte“,
sondern „die Bäume“ sind genießbar!
Außerdem: zwei Bäume in der
Mitte, den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Und
Gott sprach zu Menschen: „von jedem Baum des Gartens darfst du beliebig
essen. Doch vom Baum der Erkenntnis von Gute und Böse, nicht darfst du von ihm
essen, denn mit dem Tag, da du von ihm isst, wirst du gewiss sterben.
Die Schlange, als Sinnbild für
den Versuch, ist klug, schlauer als alle Tiere. Sie ist selbst Teil der
Schöpfung, aber überlegen. Sie verdreht die Weisung Gottes auf eine doppelte
Weise. Sie spricht in menschlicher Sprache, das mag überraschen, es zeigt jedoch,
dass es hier um eine Erzählung von übertragener Bedeutung geht.
Auf welche Weise verdreht die
Schlange Gottes Weisung?
1/ Sie fragt die Frau: hat Gott
wirklich gesagt: ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Nein, das hat
Gott nicht gesagt! Gott hat nicht gesagt: „ihr dürft von keinem Baum des
Gartens essen“, sondern er hat gesagt: „ihr dürft von jedem Baum des Gartens
beliebig essen. Nur von einem nicht.“ Aus der Großzügigkeit Gottes ist die
Kleinlichkeit des Gebieters geworden. Mit einer scheinbaren, harmlosen
Gesprächsanknüpfung wird der Zweifel gesät, ob Gottes wirklich gut, meint mit
den Menschen. Und mit einer Frage wird die Frau zur Richtigstellung in ein
Gespräch hineingezogen.
Die Frau steigt auf die Dynamik
ein. Ihre Antwort ist schon ungenau. Sie sagt: „von den Früchten der Bäume
dürfen wir essen“. Und sie lässt außerdem das „alle Bäume“ weg. Und schließlich
übernimmt sie von der Schlange das: „hat Gott gesagt“, statt dem ursprünglich
stärkeren „hat Gott geboten“.
2/ Die zweite Verdrehung der
Schlange ist nun, dass sie der Aussage Gottes offen widerspricht: „Nein, ihr
werdet nicht sterben!“ Die Schlange stellt Gott als Lügner dar. Ihre Begründung
dafür: Sie kennt das Denken und Wissen Gottes, d.h. seine geheimen Absichten
und Gedanken. Sie insinuiert, Gott halte die Erkenntnis von Gut und Böse
eigennützig für sich zurück. So wächst der Zweifel des Menschen an der Güte
Gottes.
Erkenntnis von Gut und Böse:
worum geht es? Müssen wir als Menschen nicht andauernd unterscheiden, um
gerecht handeln zu können? Erkenntnis von Gut und Böse meint hier allerdings nicht
richtiges Handeln, sondern es steht für die moralische Autonomie des Menschen,
d.h. selbst erkennen und setzen zu wollen, was gut ist und was böse ist. Es
bedeutet, selbst beurteilen zu wollen, was eigentlich gut ist. Das ist es
jedoch, was die Bibel von Anfang an als Aufgabe Gottes sieht: „Gott sah, dass
es gut war“. Das ist seine Weise der Beziehung zur Schöpfung! Und bei den
Propheten steht: „Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist.“ (Micha 6,8)
Noch mal: es geht nicht um das Erkennen
und Unterscheiden von Gut und Böse. Das brauchen wir Menschen als Orientierung.
Sondern es geht darum, das göttliche Verbot zu überschreiten und damit in den
göttlichen Bereich einzudringen, die von Gott gegebenen Grenzen zu
überschreiten und selbst an Gottes Stelle zu treten.
Das sagt die Schlange explizit: „Gott
weiß viel mehr, sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf. Ihr werdet wie
Gott und erkennt Gut und Böse.“ - „wie Gott werden“, das ist die eigentliche
Versuchung um dies hier geht!
Es ist eine wunderbare
Psychologie der Versuchung dargestellt:
- Scheinbar objektiv und unparteiisch fragen.
- Die Ansage Gottes dreist leugnen und Vorteile versprechen
- Mit Halbwahrheiten arbeiten und Grenzen überschreiten
Ja, das führt zur Erkenntnis, zur
Autonomie, aber es führt eben auch zum Erschrecken über die Nacktheit und
Unbehaustheit , die Verlorenheit des Menschen in dieser Welt.
Drei Fragen, die uns dieser Text
heute Abend meines Erachtens stellt:
1/ Kenne ich Situationen, in
denen ich an der Großzügigkeit Gottes und seiner Liebe zu mir und den anderen
zweifle, z.B. in Momenten, in denen ich Angst habe, im Leben zu kurz zu kommen?
2/ Kenne ich Situationen, in
denen mir scheint, dass es mir eigenmächtig und unabhängig von Gott besser
ginge und ich mir selbst meine eigenen Regeln mache?
3/ Kenne ich Situationen, in
denen ich von Dingen fasziniert bin und an nichts mehr anderes denken kann, in
denen sich mein Blick verengt und ich die Herrlichkeit und die Schönheit meines
Lebens um mich herum nicht mehr sehen kann?
Das sind die Versuchungen, um die
es heute geht! Auf eine wunderbare Reise erzählt in dieser Geschichte von der
Schlange und immer wieder neu erlebt als Menschen in dieser Welt.
Jesus durchbricht diese Dynamik,
erstellt sich der Versuchung, auch für uns und erschließt uns den Weg zum Heil.
Er zeigt uns nämlich, wie wir uns gegenüber solchen Versuchungen verhalten
sollen. Einfach Nein sagen! Amen.


