Predigt Pfingstvigil 2026
Lesung: 1Petr 2,3-5 (= GL 653) „Denn ihr habt gekostet, wie gütig der Herr ist. Kommt zu ihm,
dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt
und geehrt worden ist! Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus
aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige
Opfer darzubringen, die Gott gefallen!“
Liebe Geschwister im Glauben, haben Sie schon einen Instagram-Account? Haben Sie einmal darüber nachgedacht, sich einen anzulegen?
Vor einigen Tagen schrieb mir
Christian Busemann, mit dem ich regelmäßig einen Podcast aufnehmen: „Ich finde,
Du solltest einen Insta-Account machen!“ Seine Begründung: „Du würdest viele Leute aus den Messen und Kursen versammeln und durch die
crossconnection, könnten es immer mehr werden - und immer mehr kämen in die
Kirche.“
Ich schätze Christian Busemann
sehr. Er ist ein Autor, Familienvater und Medienmensch, der den katholischen Glauben
für sich vor einigen Jahren auf einer Pilgerwanderung nach Assisi neu entdeckt
hat und in der katholischen Kirche gefirmt wurde. Schon damals hatte er die
Idee mit einem Podcast, um spirituell suchende Menschen zu erreichen und all
diejenigen, die ein besseres Verständnis vom Glauben und seiner praktischen
Umsetzung bekommen möchten.
Für den monatlichen Podcast von
etwa 30 Minuten, den ich mit ihm nun seit über einem Jahr aufnehme, suchen wir
Themen, die die spirituelle Tradition des christlichen Glaubens in der
katholischen Kirche für heute erkunden: Geistlich – praktisch – gut, so haben
wir gesagt; in Anlehnung an das Motto, das Jeronimo Nadal, ein Gefährte des
Ignatius von Loyola für die spirituelle Tradition der Jesuiten erfunden hat:
spiritu – corde – practice, d.h. geistlich, herzlich, praktisch.
Es macht mir Freude, den Podcast
aufzunehmen und über die Themen des Glaubens zusammen nachzudenken. Und das
überträgt sich offenbar. Wir erreichen mit jeder Folge in etwa 300 – 400
Personen. Das sind mehr als hier in die hl. Messe kommen.
Wir sind inzwischen bei Folge 15
über den hl. Ansgar, davor gab es eine Folge, wie man die Bibel lesen kann oder
was Einsamkeit bedeutet. Sie sehen, es sind verschiedene Themen; vielfach gehen
wir davon aus, was uns als Frage im Alltag begegnet.
Nun also zurück zu dem Vorschlag von Christian Busemann, ich solle einen Insta-Account machen. Wie gesagt, ich schätze Christian Busemann, aber in diesem Fall bin ich nicht seiner Meinung.
1/ Instagram hat, durch die
hervorragende Technik und die vielen Algorithmen, ein großes Suchtpotenzial. Es
ist in alle Richtungen unendlich. Man kann von einer Person zur anderen, von
einem Thema zum nächsten, von einem Bild zum nächsten, von einem Video zum
nächsten Video wischen – es hört nie auf!
2/ Nicht alle Inhalte bei
Instagram sind hilfreich und gut. Zu einem christlichen Leben mit den Gelübden
gehört auch das Gelübde der Keuschheit; ich übersetze es gerne mit „bei sich
bleiben können“ – und Instagram bewirkt bei mir das Gegenteil. Und ich möchte
da nicht auch noch mitmachen. Obwohl ich weiß, dass es auch viel Gutes dort
gibt.
3/ (und das ist das
Entscheidende): Es geht mir ja gar nicht darum, dass ich selbst möglichst viele
Follower habe oder Menschen versammle. Es geht mir darum, dass Menschen in die
Kirche kommen; auch ohne mich. Wenn ich dazu hilfreich sein kann, wenn ich
Zeuge der Hoffnung sein kann, ist das wunderbar. Aber ich würde mir wünschen,
dass sie sich selbst mit Christus verbinden und immer mehr auf seinen Geist
hören.
Ja, es stimmt, ich versuche
Menschen miteinander zu vernetzen. Ich möchte wie eine Brücke sein, die
Menschen miteinander verbindet. Und ich wünsche mir sehr, dass es hier bei
Manresa oder bei den Kursen viel „crossconection“ gibt, so dass Menschen voneinander
wissen, sich gegenseitig bereichern, im Glauben und vielleicht sogar in den
Sorgen und Nöten des Alltags unterstützen; das ist wirklich mein Herzenswunsch
und meine Bitte an Gott, wenn ich Menschen zu Christus einlade. Wenn ich sie
einlade, „zu kosten, wie gütig der Herr
ist.“ (Kommunionvers).
Der Petrusbrief, aus dem wir
gerade gehört haben, formuliert eigentlich den gleichen Wunsch, nämlich
Menschen zu Christus zu führen: „Kommt zu
ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott
auserwählt und geehrt worden ist“ (1Petr 2,4)
Sicherlich: er benutzt ein ganz
anderes Bild. Er redet nicht von social media, um über den Glauben zu reden.
Weil der Autor in der Antike lebt, die geprägt ist von wunderbaren, großen
Bauten aus Stein, von prächtigen Tempeln und Stadien, nutzt der Autor das Bild
von einem Haus-Bau, wenn er von „crossconnection“ redet. „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu
einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer
darzubringen, die Gott gefallen!“ (1 Petr 2,5)
Ich glaube, das ist wirklich Kirche:
Menschen, die auf eine geistige Weise mit Jesus Christus und miteinander
verbunden sind. Menschen, die ein geistiges Haus aufbauen, einen „Raum“, in dem
Begegnung mit Gott möglich wird. Ein Raum für echte Begegnungen, nicht nur
online oder digital. Eine Crossconnection, die eine Form von Dank und Anbetung
und Hingabe lebt, geistige Opfer, d.h. eben keine blutigen Opfer – davon gibt
es in dieser Welt gerade zu viele. Sondern Opfer des Lobes und des Dankes. Das
ist es, was Gott gefällt. Amen!


