Dienstag, 23. Oktober 2018

Oracion ignaciana


Gestern Abend präsentierte P Leonardo Nardin, mit dem ich in Santa Fe zusammenarbeiten konnte, ein Handbuch zum ignatianischen Gebet mit Kindern, das seine Erfahrung aus 20 Jahren in verschiedenen kirchlichen Schulen (primaria y segundaria) spiegelt: Manual de oración ignaciana (ISBN: 9789877403176). Viele Freunde und Bekannte waren gekommen, die an dem Buch auf verschiedene Art und Weise mitgearbeitet haben; aber auch LehrerInnen und KatechetInnen verschiedener Schulen aus der Umgebung, die überlegen, diesen Weg des Gebets zu gehen.
 




Mir scheint, dass das ignatianische Gebet auf eine einfache und klare Weise letztlich nichts anderes ist als die Gebetsweise der Exerzitien, ergänzt um einige hilfreiche und erprobte Elementen der kindgemäßen Strukturierung und Hinführung. Ignatius nutzt die die imaginative und emotionale Intelligenz, um - so die Bitte oder der Wunsch - „den Herrn innerlich kennenzulernen, um ihn mehr zu lieben und ihm mehr nachzufolgen.“ (GÜ 104).




Ein Video aus Santa Fe erklärt in drei Minuten, worum es geht. Ich hoffe, das alles kommt euch nicht Spanisch vor ;-) Ein Teil des Teams aus Santa Fe war jedenfalls offensichtlich doch sehr froh!

Montag, 22. Oktober 2018

Muttertagsquiz


Gestern war in Argentinien der „día de la madre“ – der Muttertag. Schon seit Wochen fielen mir in den Parfümerien und Blumengeschäfte die großen bunten Anzeigen in den Schaufenstern auf; dann in den Restaurants die Schilder am Eingang, man solle doch bitte reservieren! Es war mehr eine Einladung, denn wenn am Monatsende das Geld knapp wird, sitzen schon deutlich weniger Menschen in den Restaurants. Viele Argentinier haben dagegen das Wochenende genutzt, um Buenos Aires zu verlassen und „nach Hause“ zu fahren, zu den Eltern oder Großeltern. Und auch die große und vielfältige venezolanische Emigranten-Gruppe, die sich regelmäßig am Sonntag nach der Abendmesse im Gemeindesaal von Regina Martyrum trifft, hat sich etwas einfallen lassen: Über einen Beamer wurden Bilder von Müttern gezeigt - und die Gruppe sollte raten, wessen Mutter wohl zu sehen sei. Bei manchen war die Ähnlichkeit so deutlich, dass es leicht war; bei anderen brauchte es viel Hilfe. In jedem Fall aber war es für die jeweiligen Geflüchteten der Anlass, über ihre Mutter zu erzählen, was sie ihnen bedeutet, wofür die dankbar sind. Außerdem sah man sehr gut, aus welch wohlhabenden und oder gebildeten Verhältnissen in Venezuela viele kommen, die hier in Argentinien um Wohnung und Arbeit kämpfen. Es war – ganz lateinamerikanisch – sehr emotional, mit großer Dankbarkeit auch gegenüber Gott, Reflexion, Hoffnung. Ich hatte vorher zwar kein Foto eingesandt, aber auch ich trage meine Mutter im Herzen, weiß wieviel ich ihr im Leben verdanke, bete für sie und weiß, dass Sie auch in der Ferne von Zeit zu Zeit an mich denkt. Für die Mütter gab es übrigens anschließend eine Nelke als Geschenk!


Sonntag, 21. Oktober 2018

Circuito Papal

Buenos Aires ist die Heimatstadt von Jorge Mario Bergoglio. Die Touristeninformation bietet deshalb jeden Sonntagnachmittag eine geführte Stadtrundfahrt mit einem Bus an, um die wichtigsten Orte seines Lebens in Buenos Aires kennenzulernen. Die Gruppe bestand aus etwa 20 Personen aus 8 verschiedenen Ländern, wir haben schnell untereinander Kontakt gefunden und festgestellt: meine Anreise war am weitesten!


Die Tour beginnt im Stadtteil Flores, wo er 1936 geboren wurde und in dem die Familie Bergoglio sonntags an der Messe teilnahm, führt über die Straße Membrillar, in der sein Elternhaus stand, wo er mit seinen Eltern und vier jüngeren Geschwistern lebte, am kirchlichen Kindergarten und der staatlichen Grundschule vorbei. Für einige wenige Jahre (ab 1949) ging er in ein Internat der Salesianer in der Umgebung von Buenos Aires (diese Schule habe ich nicht gesehen), weil seine Mutter erkrankt war, dann später auf eine technische Oberschule, wo er mit 20 Jahren den Titel eines Chemietechnikers erhielt.

Im Alter von 21 Jahren trat er in das Seminar der Diözese Buenos Aires im Ortsteil „Villa Devoto“ ein, in dem einige Jesuiten lehrten. So entschied er sich ein Jahr später, Jesuit zu werden und wurde im Noviziat der Jesuiten in Cordoba aufgenommen. In der Nachbarschaft des Seminars liegt das Gefängnis von Devoto, wo der damalige Erzbischof die Messen am Gründonnerstag feierte. Ein Journalist der Tageszeitung La Nación berichtet in einem Artikel von 1999:"Er feierte die Messe für die Insassen, wusch ihre Füße und verbrachte zweieinhalb Stunden mit ihnen. Er musste davon überzeugt werden, nicht mit dem Bus zurückzukehren, sondern zusammen mit uns mit dem Auto zur Kurie zurückzukehren.“

Nicht weit davon entfernt befindet sich auch die Kirche San José del Talar, in der sich eine gemalte Replika des Bildes „Maria Knotenlöserin“ befindet. Das Bild wurde Ende der 80er Jahre in Argentinien nach dem Vorbild von Augsburg gemalt. Die Kirche ist heute ein bedeutender Wallfahrtsort in Buenos Aires. Am 8. eines jeden Monats wird es von Tausenden von Pilgern besucht, die aus verschiedenen Stadtteilen und Städten kommen.
Der Rundgang endet an der Kathedrale in der Bergoglio mehr als 20 Jahre lang die Messe feierte, in unmittelbarer Nähe der „Manzana de la luces“, dem ehemaligen Jesuitenkolleg mit seiner bedeuteten Kirche, dem ältesten erhaltenen Bauwerk in Buenos Aires.


Der Mann, der uns mit großer Begeisterung fast vier Stunden durch Buenos Aires führte, heißt Daniel Vega, und er bietet diese Tour nun schon fünf Jahre lang an – die große Sachkenntnis, die vielen Anekdoten und Details und die Bereitschaft, sich immer wieder neu auf die interessierten Touristen einzustellen, sind wirklich bemerkenswert.


Natürlich sind wir auch am Gründungsort des Fußballclubs Atlético San Lorenzo de Almagro vorbeigefahren, zu dessen Anhängern Papst Francisco gehört. Der Salesianerpater Lorenzo Massa hat den Club 1908 gegründet. Und natürlich sind wir auch an dem Haus vorbeigefahren, in dem ich gerade wohne – denn auch hier wohnte Bischof Jorge Mario Bergoglio für zwei Monate bei seinen Mitbrüdern aus dem Jesuitenorden. Es scheint zu Beginn seiner Amtszeit gewesen zu sein, als er nicht in den Bischofspalast in Olivos ziehen wollte und das Zimmer in der Kurie neben der Kathedrale noch renoviert werden musste.