Predigt 1. Sonntag der Fastenzeit (C) – (9.3.25)
Les: Dtn 26,4-10; Röm 10,8-13; Lk 4,1-13
Zu Beginn der Fastenzeit hören wir von Schlüsselerfahrungen
auf dem geistlichen Weg. Bei Jesus werden diese Erfahrungen durch die Situation
von Einsamkeit und Hunger in der Wüste verstärkt, aber ich glaube, sie gehören
auf die ein oder andere Weise zu jedem geistlichen Weg, zu unserem Weg zu Gott.
Es geht um Versuchungen.
Was sind Versuchungen eigentlich? „Versuchungen sind Motivationen, d.h. innere Kräfte, die Gedanken und Emotionen gleichermaßen stark beeinflussen und die der Bewegung des Fortschritts auf dem Weg zu Gott entgegengesetzt sind.“ (János Lukács, Ignatian Formation. The inspiration of the Constitutions, Leominster 2016, S. 115.)
Jesus begegnet drei Versuchungen. Es sind keine zarten
Versuchungen, sondern es sind wesentliche Versuchungen. Bei Jesus sind es
Fragen im Blick auf seine Identität, die der Teufel, wörtlich der „diabolos“,
d.h. der Durcheinanderbringer, stellt und ihn so zu verwirren sucht. Gerade
erst war Jesus bei der Taufe durch Johannes als der geliebte Sohn Gottes
offenbar geworden. Er, der Mensch unter Menschen, stammt von Gott und ist mit
dem Heiligen Geist begabt. Doch was bedeutet das für sein Leben? Der Teufel versucht
nun, ihn falsche Konsequenzen ziehen zu lassen und ihn davon zu überzeugen,
dass er alles könne, alles besitze oder ihm alle Ehre zukommen.
Bei Lukas finden Sie interessanterweise eine andere
Reihenfolge als bei Matthäus, d.h. Lukas gibt den Versuchungen offenbar eine
andere Gewichtung; er hat sie unterschiedlich erfahren, die heftigste Versuchung
steht jeweils am Schluss.
a/ Die erste Versuchung für den von Gott geliebten Sohn:
diesen Stein zu Brot werden lassen. Die Idee: Ich will, dass die Dinge jetzt
genauso werden, wie ich es gerade will. Ich brauche jetzt Brot, dann soll Stein
werden zu Brot. Aus der Angst, im Leben zu kurz zu kommen, entsteht der Wunsch,
mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, so wie ich es jetzt will. Doch anstelle
des eigenen Willens, können wir Gottes Willen tun. Das ist der richtige und heilvolle
Weg, nämlich seinen Willen tun, an seinem Werk mitwirken.
b/ Die zweite Versuchung für den von Gott geliebten Sohn:
alle Reiche des Erdkreises zu bekommen. Die Idee: haben und besitzen.
Materieller Reichtum schafft Macht und Herrlichkeit. Deshalb: alles besitzen.
Aus der Angst, im Leben nicht genug zu bekommen, entsteht die Tendenz, den Hals
nicht voll zu kriegen. Doch statt immer mehr zu besitzen, können wir Gott
dienen. Denn sein Reich kommt. Vor ihm allein sollen wir uns niederwerfen.
c/ Die dritte Versuchung für den von Gott, geliebten Sohn:
sich oben vom Rand des Tempels hinabzustürzen. Der große Bungee-Sprung ohne
Netz und doppelten Boden. Die Engel fangen ihn auf. Der Applaus wäre ihm
sicher. Aus der Angst, nicht gesehen zu werden, entsteht die Tendenz, die
eigene Ehre zu suchen und damit letztlich Gott selbst zu versuchen und auf die
Probe zu stellen. Das ist für Lukas die schwerwiegende Versuchung. Doch statt
des eigenen Ansehens, können wir Gottes Ehre suchen!
Die drei Versuchungen beziehen sich auf Grunddimensionen
unseres Lebens und unseres Glaubens. Deshalb beten wir auch im Vaterunser und
sozusagen in umgekehrter Reihenfolge zu den bei Lukas dargestellten
Versuchungen: dein Name werde geheiligt (dir gebührt die Ehre) - dein Reich
komme (dir gehört der Erdkreis, dir will ich dienen) - dein Wille geschehe (deinen
willen möchte ich tun).
Wir beten auf diese Weise, denn wir stehen in einem
geistlichen Kampf! Wir alle, jeden Tag neu: ob wir Gott vertrauen und seinen Willen
tun oder nur uns selbst vertrauen und für uns selbst leben.
Manche Gläubige tun sich heute schwer, vom Teufel zu
sprechen, weil wir doch an Gott glauben. Das ist richtig: wir glauben an Gott,
und wir dürfen nicht an den Teufel glauben!
Vom Bösen oder vom Teufel zu sprechen, hilft uns, Erfahrungen
wahrzunehmen und benennen zu können von Verwirrung, von Motivationen und
Kräften, die uns vom Weg Gottes abbringen, die der menschlichen Natur
entgegenstehen, die wir alle kennen. Und die eben nicht nur aus uns selbst
kommen.
Wenn wir vom Teufel reden, dann sagen wir: das kommt nicht
von mir, das kommt von außen. Es geht eben gerade nicht um Schuldzuweisung oder
Grübeleien, wo das Böse herkommt, sondern es geht darum, dass ich damit umgehen
lerne, dass es „auf“ und „ab“ im Glauben gibt; so wie es Regen und Sturm, Sonne
und Wind beim Wetter gibt.
Also: Versuchungen gehören zum geistlichen Weg dazu,
entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Ob wir die Richtung auf Gott hin
beibehalten, uns an seinem Wort festhalten, so wie es Jesus tut, wenn er aus
der Schrift zitiert und aus dem Vertrauen auf Gott lebt.
In der Zeit der Vorbereitung auf die Taufe gibt es bei aller
Freude über den neu entdeckten Glauben, über die Gemeinschaft der Kirche, über
das Licht im Leben, auch die Herausforderungen und Versuchungen. Gerade wenn
jemand auf dem Weg zu Gott Fortschritte macht, scheint der Widerstand manchmal
größer zu werden! Aber wie steht es in Hamburg auf einem Leihfahrrad: „Gegenwind
formt den Charakter!“
Die Kirche wusste schon sehr früh, dass Menschen in diesem
Moment, im Zugehen auf die Taufe, besonders des Gebets bedürfen und der
Unterstützung durch die Gläubigen. So gibt es die Salbung der Katechumenen. Sie
ist seit dem vierten Jahrhundert bezeugt, zuerst bei Cyrill von Jerusalem.
Das ist eine Salbung vor der Taufe; nicht zu verwechseln mit
der heiligen Salbung mit dem Chrisam nach der Taufe. Die Salbung vor der Taufe
soll die Katechumenen auf dem Weg zur Taufe schützen vor den Versuchungen und
den Angriffen des Bösen.
Dieses Zeichen kann auch uns, die wir schon getauft sind,
daran erinnern, dass wir als Kinder Gottes leben sollen und aus der Kraft des Heiligen
Geistes, trotz allem, was dem entgegensteht und uns nur vor Gott niederwerfen
sollen. Denn sein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in alle
Ewigkeit. Amen.
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