Montag, 20. April 2026

Zeichen der Zeit

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Buckelwal

Predigt 3. Sonntag der Osterzeit A 2026 Hamburg, Manresa

Liebe Schwestern und Brüder,

was beschäftigt sie in diesen Tagen nach Ostern besonders? Sind es persönliche oder familiäre Probleme? Sind es finanzielle oder berufliche Sorgen? Sind es gesundheitliche Fragen oder Zukunftsthemen?

Die Nachrichten überschlagen sich immer mehr, so scheint es mir. Ich lasse die vielen gesellschaftlichen Themen und weltweiten Konflikte immer weniger an mich heran, denn ich kann die Nachrichten kaum ertragen: der Krieg in der Ukraine, im Nahen Osten, mit dem Iran. Die Krise im Sudan, Venezuela, Myanmar. Die ökologischen Katastrophen, die wirtschaftlichen Sorgen, und mittendrin: Timmy.

Es ist das große Thema in den deutschen Medien: Timmy ist ein Buckelwal, der Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet wurde und sich mehrfach in den Netzen der Fischer verfing. Am 23. März stand der Wal auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand, daher sein Name.

Es wurde eine Rinne gegraben. Er konnte die Sandbank schließlich verlassen, strandete jedoch schon kurze Zeit später wieder, diesmal in der Wismarer Bucht. Seit nun bald drei Wochen liegt er in der Kirchsee vor der Insel Poel. Tierärzte sagen, dass er gesundheitlich so schwach ist, dass er sterben wird. Die Leute sollten ihn bitte einfach in Ruhe lassen.

Die öffentliche Anteilnahme ist jedoch riesig. Und nun gibt es eine private Rettungsaktion, um ihn ins Meer zurückzubringen. Mehrere Millionen soll es kosten, Ausgang ungewiss. Gibt es nicht wichtigere Themen? Warum bekommt der Wal solch eine Aufmerksamkeit? Warum dieses Mitleid für ein besonderes Tier, wo so viele Tiere leiden und sterben?

Der Kommentar auf Seite 1 der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagt uns: „Der Wal ist zum Symbol geworden. Die Gefühlsausbrüche, die seine Lage verursachen, mag mancher als Zeichen dafür nehmen, wie grausam unsere Zeit ist. Man kann aber auch sagen: Hier ist ein sichtbares Zeichen dafür, wie gut es uns geht.“ (FAZ, Kommentar von Reinhard Müller, 15.4.2026, S. 1)

Das Schicksal des Wals bewegt die Menschen, denn es zeigt ihnen das Leiden der Kreatur, die durch die Umwelteinflüsse ihre natürliche Orientierung verloren hat.

Der Sponsor der neuen Rettungsaktion, Walter Gunz, sagt, das Schicksal des Wals, lasse ihn nicht los, da ihn das tieferliegendene Problem bewege: der Wal sei „ein Opfer des Irrsinns, der Profitgier und der unüberlegten Handlungen von Menschen“. (Abendblatt, 18.4.2026, S. 48) Das sagt wohl gemerkt, der Gründer der großen Einkaufskette, Media-Markt, der mit kurzlebigen Elektroartikeln sehr viel Geld verdient hat! Ja, der Wal ist ein Zeichen für das Leiden der Kreatur, das auch durch die Sünde der Menschen verursacht wird.

In den Evangelien wird überliefert, dass Jesus selbst im Wal ein Zeichen gesehen hat. Er sagt im Blick auf diese böse und treulose Generation (Mt 12,39), die von ihm ein Zeichen fordert, es werde ihr kein anderes Zeichen gegeben, außer das Zeichen des Propheten Jona: „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.“ (Mt 12,40).

Das Zeichen des Jona ist das Zeichen der Umkehr und der Auferstehung! Dieses Zeichen ist uns geschenkt worden, unserer Generation! An Ostern feiern wir dieses Zeichen. Mit den Jüngern dürfen wir bekennen: „Es ist der Herr!“ (Joh 21,7). - „Gott hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt.“ (Apg 2,24). Er hat damit die Verkündigung Jesu bestätigt und uns die Fülle des Lebens geschenkt. Er hat ihn beglaubigt und seine Botschaft vom nahe gekommenen Reich Gottes für uns alle mit Wahrheit und Freude bestätigt.

Das bedeutet nicht, dass die Sünde der Menschen, „der Irrsinn, die Profitgier und die unüberlegten Handlungen“ einfach abgeschafft wurden. Es bedeutet, dass die Liebe stärker ist als der Tod. Dass wir losgekauft wurden, um einen teuren Preis, um an Gott glauben und auf ihn hoffen zu können. (1Petr 1, 21).

Die „Zeichen der Zeit“ zu erkennen und zu deuten, das ist unsere große Aufgabe. (vgl. II. Vatikanisches Konzil, Gaudium et Spes). Jedoch sind Zeichen immer mehrdeutig. Deshalb sollen wir die Zeichen der Zeit vom Evangelium her lesen und deuten.

Der Wal Timmy kann uns berühren und wachrütteln. Er kann uns motivieren, dass Leiden der Schöpfung wahrzunehmen und uns für einen besseren Umgang mit der Umwelt einzusetzen. Als Christen dürfen wir uns jedoch nicht in eine apokalyptische Untergang Szenarien flüchten und trauern, als ob wir keine Hoffnung haben (1Thess 4,13). Denn auch die Schöpfung wartet auf das Offenbar-Werden der Söhne und Töchter Gottes und darauf, dass sie Anteil hat an der Herrlichkeit Gottes (Röm 8,21).

Jesus Christus lebt! Er ist für uns Menschen auferstanden! Aber die Auferstehung und die Herrlichkeit, die wir erwarten und erhoffen, gilt für alle Geschöpfe - auch für Timmy! Amen.

Montag, 6. April 2026

Status: auferweckt


Predigt Ostern 2026, Manresa | Hamburg 

Les: Apg 10, 34a.37-43; Kol 3,1-4; Joh 20,1-9

Einige von meinen Freunden posten regelmäßig bei WhatsApp ihren „Status“, d.h. sie machen Bilder und stellen Sie dort hinein für eine kurze Zeit. Die Bilder zeigen, wo sie gerade sind, was sie gerade erleben, usw. Und sie erwarten dann, dass ich mir ihren Status anschaue und genau weiß, was gerade bei ihnen los ist. Wenn ich dann mal nachfrage: wie geht es Dir? Wo bist du denn gerade oder: Was machst du so? dann sagen Sie: „Ach, schaust du gar nicht in meinen Status?“ Nein, tue ich nicht. Sie vielleicht? Schauen Sie in den Status?

Wenn Jesus damals WhatsApp gehabt hätte: Was wäre sein Status heute am Ostersonntag gewesen? Was wäre seine Botschaft an die Jüngerinnen und Jünger an diesem Sonntag gewesen, an diesem ersten Tag der Auferstehung? Welchen Status hätte man bei ihm sehen können? Gestorben? Von Gott auferweckt? Ich bin zurück? Aus den Toten auferstanden? Was würde Jesus an Ostern in seinem Status posten? Drei Gedanken dazu.

1/ Sein Status ist nur für die sichtbar, die an ihn glauben.

Immer wieder wird das in den Ostererzählungen deutlich: Manche sehen ihn, andere nicht, obwohl er offenbar da ist. Auch die Apostelgeschichte, aus der wir heute gehört haben, berichtet davon: „Gott hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott, vorherbestimmten Zeugen, uns, die wir nach seiner Auferstehung von den Toten mit ihm gegessen und getrunken haben.“ (Apg 10,40f.)

Jesus erscheint nicht allen, er macht sich subjektiv erfahrbar und ist daher auf eine gewisse Weise nicht mehr unabhängig von denen, die an ihn glauben. Er ist nicht mehr „objektiv“ erfahrbar. Deshalb ist es wichtig, dass die Jünger von ihm Zeugnis geben: „uns hat er geboten dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen.“ (Apg 10, 42)

Allerdings: Auferstehung Jesu erfahren nicht nur einige wenige Menschen. Dann könnte man denken, dass es sich um eine Halluzination oder um eine Wahn-Vorstellung handelt. Nein, Auferstehung Jesu sehen viele Jüngerinnen und Jünger Jesu, teils unabhängig voneinander, an ganz verschiedenen Orten. Viele haben ihn gesehen, allerdings nur jene, die an ihn glauben.

2/ Die Vorgeschichte ist wichtig. 

So wie Petrus bei seiner Verkündigung ganz von vorn beginnt, so ist es immer, wenn wir von der Auferstehung reden. Petrus verkündet: „Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.“ (Apg 10, 37-38)

Nur wer den ganzen Zusammenhang kennt des Lebens Jesu kennt, kann auch die Auferstehung sehen. Tod und Auferstehung gehören zusammen. Jesus ist für sein seine Freunde an seinen Wundmalen erkennbar. Das Leiden ist nicht einfach weg, sondern es ist verwandelt. „Durch deine heiligen Wunden sind wir geheilt“, so haben wir in der Osternacht gebetet.

In diesem einen Status „auferweckt“ ist die ganze Geschichte Jesu, ja sogar die ganze Heilsgeschichte Israels gebündelt. Es ist ein Serienbild, ein Bild aus vielen Bildern. Niemand wird Auferstehung auch nur ansatzweise verstehen, wenn er nicht mit Jesus eine Zeit lang unterwegs war. Deshalb ist die Vorbereitung auf die Taufe so wichtig. Wir verpflichten die Taufbewerber auf einen Kurs, nicht aus Schikane, sondern weil der Glaube nur im Zusammenhang, weil diese Bilder nur miteinander verständlich sind. Der Status „auferweckt“ hat eine Vorgeschichte.

3/ Jesus Christus ist auf eine neue Weise mit dem Vater verbunden

Im Status „auferweckt“ ist Jesus als Gott, der Sohn, mit Gott, dem Vater, auf eine neue Weise verbunden. Er geht zum Vater. Deshalb darf ihn Maria Magdalena nicht festhalten: „Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Joh 20,17) 

Wenn Maria den anderen verkündet, „ich habe den Herrn gesehen“, dann benutzt sie genau dieses Wort für die Göttlichkeit Jesu. Sie sagt nicht: Ich habe Jesus gesehen, sondern sie sagt: Ich habe den Kyrios gesehen, den Herrn, Gott! Jesus gehört zur Wirklichkeit Gottes. 

Und das hat Konsequenzen auch für uns. Der Kolosser-Brief sagt es: „Denn ihr seid gestorben!“ (Kol 3,3) - und Paulus redet hier zu ebenden, zur Gemeinde in Kolossä, er redet nicht über die Zukunft, er redet zu Menschen, die getauft sind, d.h. für die Sünde gestorben sind, die schon jetzt Anteil am neuen Leben haben, also in einem übertragenen Sinn „gestorben“ sind. Denn er sagt ja auch: „Ihr seid mit Christus auferweckt!“ (Kol 3,1)

„Ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.“ (Kol 3,3) Das ist eine schöne Beschreibung von Auferstehung und von Taufe: unser Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Was für ein Status! Das ist ein neues Leben, dass nicht frei ist von Zweifeln und Anfechtungen. Es ist noch nicht für alle klar, die anderen verstehen es oft nicht. Manchmal ist es auch mir selbst nicht verständlich. Es ist wie verborgen, geheimnisvoll. Und doch ist es umfangen von einer neuen Wirklichkeit, so dass wir nicht mehr sterben werden. 

Wir sind verborgen „in Gott“. Da kann ich sein, auch wenn ich diesen Ort und dieses Leben wohl niemals wie ein Statusbild posten kann. Der Tod hat keine Macht mehr. Ich brauche keine Angst mehr zu haben. Ich wünsche Ihnen, dass sie sich ihren Status und ihrer Würde vom Leben mit Christus und den Gott immer wieder bewusstwerden und anderen davon Zeugnis geben.