Predigt Ostern 2026, Manresa | Hamburg
Les: Apg 10, 34a.37-43; Kol 3,1-4; Joh 20,1-9
Einige von meinen Freunden posten regelmäßig bei WhatsApp ihren „Status“, d.h. sie machen Bilder und stellen Sie dort hinein für eine kurze Zeit. Die Bilder zeigen, wo sie gerade sind, was sie gerade erleben, usw. Und sie erwarten dann, dass ich mir ihren Status anschaue und genau weiß, was gerade bei ihnen los ist. Wenn ich dann mal nachfrage: wie geht es Dir? Wo bist du denn gerade oder: Was machst du so? dann sagen Sie: „Ach, schaust du gar nicht in meinen Status?“ Nein, tue ich nicht. Sie vielleicht? Schauen Sie in den Status?
Wenn Jesus damals WhatsApp gehabt hätte: Was wäre sein Status heute am Ostersonntag gewesen? Was wäre seine Botschaft an die Jüngerinnen und Jünger an diesem Sonntag gewesen, an diesem ersten Tag der Auferstehung? Welchen Status hätte man bei ihm sehen können? Gestorben? Von Gott auferweckt? Ich bin zurück? Aus den Toten auferstanden? Was würde Jesus an Ostern in seinem Status posten? Drei Gedanken dazu.
1/ Sein Status ist nur für die sichtbar, die an ihn glauben.
Immer wieder wird das in den Ostererzählungen deutlich: Manche sehen ihn, andere nicht, obwohl er offenbar da ist. Auch die Apostelgeschichte, aus der wir heute gehört haben, berichtet davon: „Gott hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott, vorherbestimmten Zeugen, uns, die wir nach seiner Auferstehung von den Toten mit ihm gegessen und getrunken haben.“ (Apg 10,40f.)
Jesus erscheint nicht allen, er macht sich subjektiv erfahrbar und ist daher auf eine gewisse Weise nicht mehr unabhängig von denen, die an ihn glauben. Er ist nicht mehr „objektiv“ erfahrbar. Deshalb ist es wichtig, dass die Jünger von ihm Zeugnis geben: „uns hat er geboten dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen.“ (Apg 10, 42)
Allerdings: Auferstehung Jesu erfahren nicht nur einige wenige Menschen. Dann könnte man denken, dass es sich um eine Halluzination oder um eine Wahn-Vorstellung handelt. Nein, Auferstehung Jesu sehen viele Jüngerinnen und Jünger Jesu, teils unabhängig voneinander, an ganz verschiedenen Orten. Viele haben ihn gesehen, allerdings nur jene, die an ihn glauben.
2/ Die Vorgeschichte ist wichtig.
So wie Petrus bei seiner Verkündigung ganz von vorn beginnt, so ist es immer, wenn wir von der Auferstehung reden. Petrus verkündet: „Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.“ (Apg 10, 37-38)
Nur wer den ganzen Zusammenhang kennt des Lebens Jesu kennt, kann auch die Auferstehung sehen. Tod und Auferstehung gehören zusammen. Jesus ist für sein seine Freunde an seinen Wundmalen erkennbar. Das Leiden ist nicht einfach weg, sondern es ist verwandelt. „Durch deine heiligen Wunden sind wir geheilt“, so haben wir in der Osternacht gebetet.
In diesem einen Status „auferweckt“ ist die ganze Geschichte Jesu, ja sogar die ganze Heilsgeschichte Israels gebündelt. Es ist ein Serienbild, ein Bild aus vielen Bildern. Niemand wird Auferstehung auch nur ansatzweise verstehen, wenn er nicht mit Jesus eine Zeit lang unterwegs war. Deshalb ist die Vorbereitung auf die Taufe so wichtig. Wir verpflichten die Taufbewerber auf einen Kurs, nicht aus Schikane, sondern weil der Glaube nur im Zusammenhang, weil diese Bilder nur miteinander verständlich sind. Der Status „auferweckt“ hat eine Vorgeschichte.
3/ Jesus Christus ist auf eine neue Weise mit dem Vater verbunden
Im Status „auferweckt“ ist Jesus als Gott, der Sohn, mit Gott, dem Vater, auf eine neue Weise verbunden. Er geht zum Vater. Deshalb darf ihn Maria Magdalena nicht festhalten: „Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Joh 20,17)
Wenn Maria den anderen verkündet, „ich habe den Herrn gesehen“, dann benutzt sie genau dieses Wort für die Göttlichkeit Jesu. Sie sagt nicht: Ich habe Jesus gesehen, sondern sie sagt: Ich habe den Kyrios gesehen, den Herrn, Gott! Jesus gehört zur Wirklichkeit Gottes.
Und das hat Konsequenzen auch für uns. Der Kolosser-Brief sagt es: „Denn ihr seid gestorben!“ (Kol 3,3) - und Paulus redet hier zu ebenden, zur Gemeinde in Kolossä, er redet nicht über die Zukunft, er redet zu Menschen, die getauft sind, d.h. für die Sünde gestorben sind, die schon jetzt Anteil am neuen Leben haben, also in einem übertragenen Sinn „gestorben“ sind. Denn er sagt ja auch: „Ihr seid mit Christus auferweckt!“ (Kol 3,1)
„Ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.“ (Kol 3,3) Das ist eine schöne Beschreibung von Auferstehung und von Taufe: unser Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Was für ein Status! Das ist ein neues Leben, dass nicht frei ist von Zweifeln und Anfechtungen. Es ist noch nicht für alle klar, die anderen verstehen es oft nicht. Manchmal ist es auch mir selbst nicht verständlich. Es ist wie verborgen, geheimnisvoll. Und doch ist es umfangen von einer neuen Wirklichkeit, so dass wir nicht mehr sterben werden.
Wir sind verborgen „in Gott“. Da kann ich sein, auch wenn ich diesen Ort und dieses Leben wohl niemals wie ein Statusbild posten kann. Der Tod hat keine Macht mehr. Ich brauche keine Angst mehr zu haben. Ich wünsche Ihnen, dass sie sich ihren Status und ihrer Würde vom Leben mit Christus und den Gott immer wieder bewusstwerden und anderen davon Zeugnis geben.
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