![]() |
| https://de.wikipedia.org/wiki/Buckelwal |
Predigt 3. Sonntag der Osterzeit A 2026 Hamburg, Manresa
Liebe Schwestern und Brüder,
was beschäftigt sie in diesen
Tagen nach Ostern besonders? Sind es persönliche oder familiäre Probleme? Sind
es finanzielle oder berufliche Sorgen? Sind es gesundheitliche Fragen oder
Zukunftsthemen?
Die Nachrichten überschlagen sich
immer mehr, so scheint es mir. Ich lasse die vielen gesellschaftlichen Themen
und weltweiten Konflikte immer weniger an mich heran, denn ich kann die
Nachrichten kaum ertragen: der Krieg in der Ukraine, im Nahen Osten, mit dem
Iran. Die Krise im Sudan, Venezuela, Myanmar. Die ökologischen Katastrophen,
die wirtschaftlichen Sorgen, und mittendrin: Timmy.
Es ist das große Thema in den
deutschen Medien: Timmy ist ein Buckelwal, der Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet
wurde und sich mehrfach in den Netzen der Fischer verfing. Am 23. März stand
der Wal auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand, daher sein Name.
Es wurde eine Rinne gegraben. Er
konnte die Sandbank schließlich verlassen, strandete jedoch schon kurze Zeit
später wieder, diesmal in der Wismarer Bucht. Seit nun bald drei Wochen liegt
er in der Kirchsee vor der Insel Poel. Tierärzte sagen, dass er gesundheitlich
so schwach ist, dass er sterben wird. Die Leute sollten ihn bitte einfach in
Ruhe lassen.
Die öffentliche Anteilnahme ist
jedoch riesig. Und nun gibt es eine private Rettungsaktion, um ihn ins Meer
zurückzubringen. Mehrere Millionen soll es kosten, Ausgang ungewiss. Gibt es
nicht wichtigere Themen? Warum bekommt der Wal solch eine Aufmerksamkeit? Warum
dieses Mitleid für ein besonderes Tier, wo so viele Tiere leiden und sterben?
Der Kommentar auf Seite 1 der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagt uns: „Der Wal ist zum Symbol geworden. Die
Gefühlsausbrüche, die seine Lage verursachen, mag mancher als Zeichen dafür
nehmen, wie grausam unsere Zeit ist. Man kann aber auch sagen: Hier ist ein
sichtbares Zeichen dafür, wie gut es uns geht.“ (FAZ, Kommentar von Reinhard
Müller, 15.4.2026, S. 1)
Das Schicksal des Wals bewegt die
Menschen, denn es zeigt ihnen das Leiden der Kreatur, die durch die
Umwelteinflüsse ihre natürliche Orientierung verloren hat.
Der Sponsor der neuen
Rettungsaktion, Walter Gunz, sagt, das Schicksal des Wals, lasse ihn nicht los,
da ihn das tieferliegendene Problem bewege: der Wal sei „ein Opfer des
Irrsinns, der Profitgier und der unüberlegten Handlungen von Menschen“.
(Abendblatt, 18.4.2026, S. 48) Das sagt wohl gemerkt, der Gründer der großen
Einkaufskette, Media-Markt, der mit kurzlebigen Elektroartikeln sehr viel Geld
verdient hat! Ja, der Wal ist ein Zeichen für das Leiden der Kreatur, das auch
durch die Sünde der Menschen verursacht wird.
In den Evangelien wird überliefert, dass Jesus selbst im Wal ein Zeichen gesehen hat. Er sagt im Blick auf diese böse und treulose Generation (Mt 12,39), die von ihm ein Zeichen fordert, es werde ihr kein anderes Zeichen gegeben, außer das Zeichen des Propheten Jona: „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.“ (Mt 12,40).
Das Zeichen des Jona ist das
Zeichen der Umkehr und der Auferstehung! Dieses Zeichen ist uns geschenkt
worden, unserer Generation! An Ostern feiern wir dieses Zeichen. Mit den
Jüngern dürfen wir bekennen: „Es ist der Herr!“ (Joh 21,7). - „Gott hat ihn von
den Wehen des Todes befreit und auferweckt.“ (Apg 2,24). Er hat damit die
Verkündigung Jesu bestätigt und uns die Fülle des Lebens geschenkt. Er hat ihn
beglaubigt und seine Botschaft vom nahe gekommenen Reich Gottes für uns alle
mit Wahrheit und Freude bestätigt.
Das bedeutet nicht, dass die
Sünde der Menschen, „der Irrsinn, die Profitgier und die unüberlegten
Handlungen“ einfach abgeschafft wurden. Es bedeutet, dass die Liebe stärker ist
als der Tod. Dass wir losgekauft wurden, um einen teuren Preis, um an Gott
glauben und auf ihn hoffen zu können. (1Petr 1, 21).
Die „Zeichen der Zeit“ zu
erkennen und zu deuten, das ist unsere große Aufgabe. (vgl. II. Vatikanisches
Konzil, Gaudium et Spes). Jedoch sind Zeichen immer mehrdeutig. Deshalb sollen
wir die Zeichen der Zeit vom Evangelium her lesen und deuten.
Der Wal Timmy kann uns berühren
und wachrütteln. Er kann uns motivieren, dass Leiden der Schöpfung wahrzunehmen
und uns für einen besseren Umgang mit der Umwelt einzusetzen. Als Christen
dürfen wir uns jedoch nicht in eine apokalyptische Untergang Szenarien flüchten
und trauern, als ob wir keine Hoffnung haben (1Thess 4,13). Denn auch die
Schöpfung wartet auf das Offenbar-Werden der Söhne und Töchter Gottes und
darauf, dass sie Anteil hat an der Herrlichkeit Gottes (Röm 8,21).
Jesus Christus lebt! Er ist für
uns Menschen auferstanden! Aber die Auferstehung und die Herrlichkeit, die wir
erwarten und erhoffen, gilt für alle Geschöpfe - auch für Timmy! Amen.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen