Montag, 12. Januar 2026

Gerechtigkeit und Recht

Predigt 2026 Taufe des Herrn, Hamburg | Manresa

Les: Jes 42, 5a.1-4.6-7; Psalm 29; Apg 10, 34-38; Mt 3, 13–17

In den letzten Wochen wird viel über das Völkerrecht gesprochen. Indem sich die Nationen verpflichten, bestimmte Rechte untereinander einzuhalten, soll damit eine gewisse Form von Gerechtigkeit hergestellt werden, um den Frieden zu sichern. Durch die aktuellen Kriege und die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Konflikte wird die bisherige Rechtsordnung allerdings immer wieder gebrochen. Es stellt sich deshalb andauernd die Frage: Ist das richtig, so zu handeln? Ist das gerecht? Ist das moralisch menschlich ethisch vertretbar?

Die Entführung von Präsident Maduro zum Beispiel: Das ist ein Verbrecher, der sein Volk unterdrückt und ausgebeutet hat, der schlimmste Gewalt zu verantworten hat. Aber die Entführung durch die USA widerspricht dem Völkerrecht; die kriegerische Gewalt, die auch Unschuldige trifft. (vgl. Statement von P Martin Maier SJ) Ist das die Weise von Gerechtigkeit, die wir brauchen? Wird diese Form der Rechtsordnung den Menschen helfen? Heizt das nicht nur die Spirale der Gewalt weiter an? Was ist richtig? Was sollen wir in Europa jetzt tun?

Heute, am Ende der Weihnachtszeit, feiern wir noch einmal den Neuanfang, den Gott mit dieser Welt in Jesus Christus gewagt und geliebt habt. Die Verheißung des Alten Bundes sind in Jesus Christus Wirklichkeit geworden. Gott tröstet sein Volk und schenkt ihm Vergebung. Er eröffnet ihm einen Weg in die Freiheit und lässt es seine Herrlichkeit schauen. Ja, die Geburt Jesu bereitet wirklich Freude, damals wie heute, denn Gott sagt ja zu dieser Welt und schenkt uns seine Gegenwart.

In den Texten des heutigen Sonntags ist davon die Rede, dass Gott uns seine Gegenwart in Gerechtigkeit schenkt. Die Grundlage dieser neuen Lebensweise mit Gott besteht darin, dass wir ihn als unseren Gott anerkennen; dass wir keine Götzen verehren und uns nicht selbst an die Stelle Gottes setzen. Denn so lautet die Botschaft des Propheten Jesaja: „Alle selbst ernannten Götter sind Nichtse.“ (Jes 41,29), „Denn ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand ergreift und zu dir sagt: fürchte dich nicht; ich habe dir geholfen.“ (Jes 41,13)

Wenn diese Grundlage von Wahrheit und Gottesfurcht klar ist, dann werden Gerechtigkeit und Frieden entstehen können. Gott wirkt in dieser Welt, indem er durch einen Menschen den Völkern und Nationen das Recht bringt. Der Gottesknecht, von dem in der Lesung, aus dem Propheten Jesaja gehört haben, ist eine Gestalt, die Gott aus Gerechtigkeit gerufen hat und die wirklich das Recht bringt. [Auch der Hauptmann Cornelius (vgl. Apg 10), der nicht zum jüdischen Volk gehörte, war so eine Gestalt, ein Gerechter, eine Gottesfürchtiger, den Gott aus Gerechtigkeit gerufen hat.]

Gottes Gerechtigkeit, seine Macht, ist jedoch anders als die Macht und die Gerechtigkeit der Herrscher dieser Welt: „Er schreit nicht und lärmt nicht. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus.“ (Jes 42,2-3) Er nimmt sich der Armen und Schwachen an, er hilft den Unterdrückten. 

Selbst wenn er dabei auch Widerstand trifft, so geht er nicht mit Gewalt vor. Er gibt aber auch nicht auf. Er bleibt standhaft. Er selbst „verglimmt nicht und wird nicht geknickt, bis er auf Erden das Recht begründet hat.“ (Jes 42.4)

Das ist für uns schwer zu verstehen. Wir denken, es müsste jemand kommen, der mit Gewalt aufräumt und Recht schafft. Doch Gott schafft das Recht, indem er in Liebe wirkt, Grenzen überwindet, Freiheit schenkt. Dieser Gottesknecht ist jetzt kein Softie. Die Orientierung an dem einzig wahren Gott bleibt der Anspruch und der Maßstab. Aber die Weise, wie das Recht umgesetzt wird, ist eben anders. 

Selbst Johannes der Täufer kann das nicht begreifen. Er hat das bevorstehende Gericht Gottes verkündet und als einzige Rettung die notwendige Umkehr und Reinigung aller Menschen vorgestellt. Und dann kommt Jesus und will sich von ihm taufen lassen! Es ist merkwürdig: Gott lässt sich auf diese Welt ein, und er sucht den Menschen bis hinein in die Dynamik der Sünde. Er bietet ihm Vergebung an. Was ist das für eine Gerechtigkeit? Johannes versteht es nicht. Doch Jesus ermutigt ihn: „Lass es nur zu. Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen.“ (Mt 3,13)

Die Frage, wie nun die erhoffte Gerechtigkeit und das Königtum des Gesalbten in dieser Welt zu verstehen ist, haben die Propheten auf unterschiedliche Art zu beschreiben versucht. Allen gemeinsam ist die Vorstellung vom Bund mit Gott, der eine neue Weise des Zusammenlebens darstellt, die größer ist als irdisches Machtgeklüngel. Und Jesus ermöglicht diesen Bund neu.

Auch das Völkerrecht und viele Verfassungen verweisen auf Gott, als eine höhere Instanz, damit wir uns immer daran erinnern, dass wir nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Während im Mittelalter sich viele Könige und Herrscher Europas als „von Gottes Gnaden“ eingesetzt sahen, und es noch in der Präambel des Grundgesetzes heißt: „Im Bewusstsein unserer Verantwortung vor Gott und den Menschen“, ist die Gegenwart voll von Machthabern, die aus sich selbst heraus regieren.

Das Kriterium für Gerechtigkeit ist also, ob sie Gott als Gott anerkennt. Sein Bund mit den Menschen ist die Weise wie Gott in dieser Welt Recht wirkt und gegenwärtig ist. Jesus hat diesen Bund mit Gott persönlich in seiner Taufe erfahren, als ich ihm der Himmel öffnete. Er hat uns den neuen Bund in seinem Blut geschenkt. Wir feiern diesen Bund im Sakrament des Altares. Möge dieser Bund unser Handeln und das Handeln vieler Menschen im neuen Jahr prägen und so Gerechtigkeit und Frieden wachsen.

Vgl. Text von "Dein sind die Himmel" (Joseph Gabriel Rheinberger), dem Offertorium von Weihnachten: „Dein sind die Himmel, und dein ist die Erde; du hast der Welten Kreis, hast die Fülle der Erde fest begründet; Gerechtigkeit und der Wahrheit Kraft sind die Pfeiler deines Thrones.“

Gute Hinweise und Auslegung der Texte im Podcast in principio 

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