Donnerstag, 29. Januar 2026

Berufung

Predigt Zweiter Sonntag im Jahreskreis A, Hamburg | Manresa (nicht gehalten)

Les: Jes 49, 3.5-6; 1Kor 1,1-3; Joh 1,29-34

Am vergangenen Dienstagabend begann die Reihe zur Lectio divina. Einmal in der Woche treffen wir uns hier am Kleinen Michel, um gemeinsam in der Bibel zu lesen. In diesem Jahr sind vier Abende zum Johannes Evangelium geplant unter dem Titel: „Evangelium der Dialoge“. Am ersten Abend ging es genau um diese Stelle aus dem Johannes-Evangelium, die wir gerade gehört haben, die Begegnung von Johannes dem Täufer mit Jesus.

Johannes sieht Jesus auf sich zukommen und bezeugt ihn als den, den er gesucht hat, auf den er gewartet hat. Ob er Jesus schon vorher begegnet ist? Ob Jesus vorher schon von Johannes getauft worden war? Das alles wird nicht erzählt, wir können es annehmen. Das Entscheidende ist für den Evangelisten Johannes offenbar die Begegnung der beiden, nachdem für Johannes klar geworden ist, um den es sich handelt.

Inwiefern ist diese Textstelle eigentlich an Dialog? Hier spricht allein Johannes der Täufer, unterbrochen nur von einem kurzen Einschub des Evangelisten. Zu wem spricht Johannes eigentlich? Und worauf hört Johannes? Das ist doch die Voraussetzung für einen Dialog, von Kommunikation, das man zuhört und antwortet.

Johannes antwortet mit seinem Zeugnis offensichtlich auf eine Frage, die ihm von den Priestern und Leviten aus Jerusalem gestellt worden war: „Wer bist du?“ (Joh 1, 19) Wer bist du eigentlich, dass du hier in der Wüste mit Wasser taufst, zur Umkehr, zur Vergebung der Sünden? Wer bist du, dass Du hier den Messias erwartest? 

Er wird sich diese Frage, vielleicht selbst du manches Mal bestellt haben, so wie jeder von uns: wer bist du? Er wird den Zweifel gekannt haben, ob das, was er tut, richtig ist. Aber er wird auch diesen inneren Ruf, diese Sehnsucht und Motivation gekannt haben, dem Willen Gottes mit seinem Leben zu entsprechen, d.h. seine Berufung zu leben.

Die eigene Berufung zu finden, das ist nicht leicht. Manche von uns haben schon früh entdeckt, was „ihr Ding“ ist, was ihre Begabung ist, woran sie Freude haben. Der eine wollte schon als Kind Arzt werden, eine andere wusste schon immer, dass Lehrerin genau das richtige ist, oder dass sie Jura studieren wird. Jemand möchte Musiker werden, so viele Berufungen. Auch die Berufung als Christ zu leben und sich taufen zu lassen.

Der Gottesknecht, von dem wir bei Jesaja gehört haben, kannte seine Berufung schon früh: „Der Herr, der mich schon im Mutterleib von zu seinem Knecht gemacht hat, damit ich Jakob heimführe und Israel bei ihm versammelt werde.“ (Jes 49,5) - vom Mutterleib an! Andere haben ihre Berufung erst später gefunden: entweder haben sie länger gebraucht, um sie zu entdecken, oder sie hat sich nochmals verändert. Sie schulen um, wagen den Quereinstieg. 

So auch der Gottesknecht übrigens: Er entdeckt, dass sich seine Berufung geändert hat: „Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht der Nationen, damit mein Heil bis ans Ende der Erde reicht.“ (Jes 49, 6)

Und wie war das nun bei Johannes dem Täufer? Er beschreibt seine Berufung in kurzen, prägnanten Worten. Er hat seine Berufung von Gott erhalten, nämlich mit Wasser zu taufen. Er hat diese Berufung nicht für sich selbst, sondern damit der Messias „Israel offenbart wird“ (Joh 1,31), damit Israel mit dem heiligen Geist getauft wird (Joh 1,33).

Also noch einmal die Frage: Wenn es sich hier um einen Dialog handelt, zu wem spricht Johannes da eigentlich? 

Johannes spricht über Jesus, den er erkennt als den Erwählten, als den Sohn Gottes, als den, den er angekündigt hat. Und in dieser Freude, dass er gefunden hat, was er gesucht hat, spricht er zu den Menschen um ihn herum; wer auch immer da gerade am Jordan bei ihm steht. In einem übertragenen Sinn spricht er zu uns; wer auch immer da gerade bei uns ist! Er bezeugt es für uns!

Und auf wen hört er? In geistlicher Hinsicht würde ich sagen: er hört auf sein Herz! Er erkennt den Geist, er sieht die Zuwendung Gottes, weil er selbst diese Zuwendung als ein Wort erfahren hat. Und er spürt die Freude darüber, dass das, worauf er erhofft hat, sich erfüllt. Das sind gute Zeichen einer echten Berufung: wenn das eigene Herz, wenn der Geist, wenn das Wort Gottes, das mir gesagt, wird in Übereinstimmung kommen.

Berufung ist manchmal so ein „Containerbegriff“. Bei allem, was man nicht erklären kann oder will, sagt man: das ist halt Berufung. Beispiel. 

Für Johannes den Täufer erfüllt sich seine Berufung in diesem Moment. Es ist ein Moment der Freude. Er erlebt das, worauf er gehofft hat, wofür er gelebt hat. Und er gibt Zeugnis davon. Er erzählt anderen davon. Haben Sie schon einmal mit anderen über ihre Berufung gesprochen?


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