Freitag, 2. Januar 2026

Maria


Neujahr 2026, Hamburg 19 Uhr | Manresa-Messe – Maria

Les: Num 6, 22–27; Gal 4, 4–7; Lk 2, 16–21

1/ Das neue Jahr beginnen

Viele Menschen nutzen den Übergang ins neue Jahr für eine Rückschau auf das vergangene Jahr. Was war wichtig im vergangenen Jahr? Welche Ereignisse haben mich geprägt, haben mich berührt? Die Ereignisse des vergangenen Jahres anschauen bedeutet auch: sie deuten, gewichten und vor allem sich daran erinnern, es vielleicht auch jemand anderem zu erzählen.

Wir führen dabei die Erzählung des eigenen Lebens weiter. Wir versuchen, den roten Faden zu finden, die Ereignisse zu einer Geschichte verknüpfen; wir tun es im Vertrauen darauf, dass unser Leben einen Sinn hat, d.h. nicht nur einen Wert, sondern auch eine Orientierung, eine Richtung. 

Manche Menschen haben eine Begabung darin, die guten Dinge hervorzuheben, die eigene Perspektive in der Art zu vermitteln, wie sie sich für das, was geschehen ist, begeistern können, dankbar sind. Vor einigen Tagen habe ich z.B. einen Film über 20 Jahre Miniaturwunderland gesehen. Die Gründer-Zwillinge Gerrit und Fredrik Braun und den Modellbahnbauer Stephan Hertz haben eine Begabung, die Begeisterung für das, was sie erlebt haben zu vermitteln. Andere Menschen schauen eher traurig und enttäuscht auf das Vergangene, sehen die Schwierigkeiten, in denen wir stehen, im persönlichen Leben, in der Gesellschaft, in der Welt.

Es heißt manchmal: „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Der Satz ist falsch, insofern wir uns viele Dinge in unserem Leben nicht aussuchen und nicht in der Hand haben. Der Satz ist richtig, insofern es entscheidend darauf ankommt, wie und auf welche Weise wir selbst mit dem umgehen, was uns im Leben begegnet.

Das eigene Herz sprechen zu lassen und mit dem Licht Gottes auf das schauen, was ist, was wir erleben und erleiden – das ist die Aufgabe von Propheten und wohl auch von jedem von uns. Denn wir gestalten unser Leben. Wir geben ihm eine „lebendige Gestalt“ (vgl. Brüske, Martin / Meuser, Bernhard / Reemts, Christiana (Hg.): Urworte des Evangeliums. Für einen neuen Anfang in der katholischen Kirche. Freiburg/Basel/Wien 2025, S.13).

Viel zu oft nehme ich die Dinge und Begegnungen als Selbstverständlichkeit und vergesse darüber zu staunen. Viel zu oft vergesse ich, mich dem Wirken Gottes in mir u öffnen. In diesem Jahr will ich mich immer neu von Gott begeistern und beeindrucken lassen. 

2/ Maria hat ihrem Leben Gestalt gegeben

„Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. “ (Lk 2,19), so haben wir gerade im Evangelium gehört. Maria erinnert sich an die Ereignisse der Geburt und der ersten Tage im Leben ihres Sohnes. Wie war es, als die Hirten wieder gegangen waren? Wie kam es, dass sich die Nachricht von seiner Geburt so rasch verbreitete? Wie habe ich die kleine, bescheidene Feier der Beschneidung erlebt, als wir dem Neugeborenen einen Namen gaben, so wie es sich für einen kleinen jüdischen Jungen gehört? 

Christen sehen die Mutter Christi als ein Vorbild an. „Sie verehren sie mit Zuneigung und Bewunderung, denn da die Gnade uns Christus ähnlich macht, ist Maria der vollkommenste Ausdruck dieses ihres Wirkens, das unsere Menschlichkeit verwandelt.“ (Vgl. Mater populi fidelis 1) 

Wir sehen Maria aber auch als die die Mutter des gläubigen Volkes Gottes heute. Sie hat heute einen Einfluss auf uns als erlöste Menschen an der Seite Christi. Sie ist heute für uns nicht nur ein Vorbild für die Art und Weise, wie sie damals am Heilswerk mitgewirkt hat, in dem sie Gottes Wirken in ihrem Leben Raum gab. Sondern sie führt uns auch heute zu Jesus Christus. 

Für mich sind es einige Marienbilder, die mich begleiten und daran erinnern. Zuallererst die älteste Marienstatue nördlich der Alpen, die sich in meinem Heimatbistum in der Kathedrale von Essen befindet. Die „Mutter vom guten Rat“. Sie weist uns darauf hin: Was er euch sagt, das tut! (vgl. Joh 2)

Oder die Marienikone im Noviziat, die „Muttergottes vom Zeichen“. Es ist die berühmte Ikone der orthodoxen Kirche, die Maria mit zum Gebet erhobenen Händen darstellt, wobei das Jesuskind auf ihrer Brust zu sehen ist, was ein "Zeichen" für ihre Mutterschaft ist. So wird sie als Schutzpatronin angerufen.

Oder die Mutter mit dem geneigten Haupt, ein Bild, vor dem viele Jesuiten in der Gefangenschaft in Portugal beteten; das auf geheimnisvolle Weise vor bald 100 Jahren zurück nach Deutschland kam. 

Andere haben andere Bilder oder Orte, die sie auf besondere Weise mit dem Wirken Marias verbinden, für viele sind es die berühmten Wallfahrtsorte: Guadalupe, Lourdes, Fatima, Tschenstochau, Medugorje.

Immer ist das Wirken Mariens daran zu erkennen, dass es uns näher zu Jesus Christus führt und das Werk der Erlösung, das allein durch ihn geschehen, tiefer zu verstehen und in unserem Leben wirksam werden zu lassen: Konkret, durch die Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen und durch eine Annahme unserer selbst.

3/ Die geistliche Mutterschaft

Wie wird Maria in geistlicher Hinsicht für uns zur Mutter? Eine Antwort könnte sein: Indem wir wie Maria und mit Maria zu Hörenden werden. Denn das ist die Grundhaltung jedes gläubigen Lebens. Der Glaube kommt vom Hören, so schreibt der Apostel Paulus (vgl. Röm). Es ist der Gehorsam auf Gott, durch den wir wirklich frei werden. 

„Maria bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.“ Darum geht es beim inneren Hören, darum geht es beim Gehorsam. Selten ist es so, dass wir so etwas wie einen Telefonanruf von Gott bekommen und dann genau wissen, was zu tun ist. Das gibt es auch, ich will es nicht ausschließen.

Meist ist jedoch so, dass es Zeit braucht, dass wir Zeit zum Nachdenken und inneren Verkosten brauchen; mit den Gefühlen, mit dem Verstand; dass wir die Ereignisse und Begegnungen, die Worte der Menschen und die Worte Gottes aus der Bibel bewahren und im Herzen erwägen müssen, um zu einer Klarheit und Entscheidung zu kommen, was zu tun ist.

Dieses Erwägen geschieht auf der Basis des Vertrauens, dass Gott uns liebt wie seinen Sohn, dass er uns durch ihn etwas Gutes vorbereitet hat und wir es ergreifen und realisieren dürfen, „damit wir die Sohnschaft erlangen.“ Es geschieht im Vertrauen auf den Geist seines Sohnes in unseren Herzen, den Geist, der ruft: Abba, Vater. Das ist der Geist der Freiheit, als Kinder Gottes zu leben.

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