Sonntag, 4. Januar 2026

Wohnung gesucht!

 


Predigt 2. Sonntag der Weihnachtszeit: Wohnung gesucht, Hamburg, 4.1.26

Les: Sir 24, 1–2.8–12 (1–12); Eph 1, 3–6.15–18; Joh 1, 1–5.9–14

1/ Wohnung suchen

Zum Krippenspiel am Heiligen Abend gehört die Herbergssuche. Maria und Josef, unterwegs in Bethlehem, bekommen keine Wohnung. Es ist einfach kein Platz für sie da. So fängt die Geschichte an. Und dann, schon kurze Zeit nach der Geburt, müssen sie schon wieder eine neue Bleibe finden. Denn nach der Huldigung durch die Sterndeuter fliehen Maria und Joseph mit dem Neugeborenen nach Ägypten, wie Joseph ist im Traum geboten worden war. Herodes wollte das Kind, den neugeborenen König der Juden, töten.

Weltweit sind mehr als 100 Millionen Menschen auf der Flucht. So viele wie nie zuvor: Sie haben keine Wohnung. Im vergangenen Jahr sind die Zahlen zwar leicht zurückgegangen, aber allein im Sudan sind mehr als 12 Millionen Menschen durch Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben worden und entwurzelt. „Meistens sind es Krieg und Gewalt, die Menschen dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen. Immer dabei ist die Angst um das eigene Leben und das Leben und das Wohlergehen der Kinder, der Familie, von Freunden.“ (UN-Bericht)

Hier in Hamburg gibt es viele Flüchtlinge, die bleiben möchten und eine Wohnung suchen. Es gibt viele Obdachlose, die keine Wohnung haben. Und es gibt Menschen, die wegen des Wohnungsmangels und der hohen Mieten keine passende Wohnung finden. Einen Ort zu haben, eine Wohnung, in der man bleiben kann, eine Heimat, das gehört zu den Grundbedürfnissen von Menschen. Jeder Mensch sollte eine Wohnung haben.

Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie eine gute Wohnung gefunden. Ist es ein Ort, wo sie gerne sind. Ist Hamburg die Stadt, in der sie bleiben möchten? Oder werden Sie demnächst umziehen?

So sehr wir nach einem Ort suchen, an dem wir sein können, so selten gelingt uns das vollständig. „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl!“, singt Herbert Grönemeyer. Und Bernhard Schlink, ein deutscher Schriftsteller, behauptet: „Heimat ist Utopie“. Er meint: Heimat ist gar kein Ort, sondern eine Vorstellung, eine Idee, die wir niemals erleben werden. Denn immer sind wir überall ein bisschen fremd. Ist das nicht merkwürdig?

2/ Gott sucht eine Wohnung

Heute in der Lesung haben wir von der Weisheit Gottes gehört, die einen Ort sucht, wo sie sich niederlassen kann, wo sie bleiben und wohnen kann. (Jesus Sirach 24, 1-12)

Gott gebietet der Weisheit, sich in Jakob bzw. Israel niederzulassen, und dort ihr Zelt aufzuschlagen. Auf Zion, im heiligen Zelt, dort soll die Weisheit Gott dienen.

Zwar wird die Weisheit in Jerusalem wohnen, aber: „sie schlug Wurzeln“, so heißt es dort „in einem ruhmreichen Volk“. D.h. letztendlich ist es nicht die Stadt, sondern letztendlich sind die Menschen es, die der Weisheit Heimat geben. Gott hat mehr Interesse an den Menschen als an irgendeiner tollen Wohnung für seine Weisheit oder einem besonderen Tempel.

Im Evangelium ist die Rede davon, dass Gott selbst bei seinem Volk wohnen möchte. Als „das ewige Wort“ kommt er zu den Menschen. „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihm nicht auf.“ (Joh 1,11). Das Wort Gottes sucht einen Ort, um zu bleiben, aber es wird abgelehnt! Gott findet keine Wohnung! Und das nicht, weil die Mietpreise zu hoch sind, sondern einfach deshalb, weil es offenbar Menschen gibt, die zwar sein Volk sind, aber sein Wort nicht hören wollen. Es gab aber auch Menschen, die ihn aufnahmen - und die wurden zu Schwestern und Brüdern, zu Kindern Gottes.

3/ Gott zeltet unter uns

Der Johannes-Prolog erzählt feierlich: „Das Wort erschien in einem Menschen und wohnte bei uns.“ (Joh 1,14; Übersetzung Berger). Wörtlich heißt es dort: „Es zeltete bei uns“. Gott sei Dank, das Wort hat seinen Platz gefunden! Es lebt mitten unter uns, und es wirkt mitten unter uns! Aber seine Art und Weise, wie es da ist, wie es wohnt, ist vorübergehend, wie in einem Zelt, nicht für ewig. Das ist wirklich ein Segen, dass Gott mit uns ist. Aber wir haben ihn nicht wie ein Besitz, wir können ihn nicht festhalten. Er wohnt wie in einem Zelt. Er ist sozusagen vorübergehend da.

Wenn wir sein Wort hören, darauf achten, es befolgen, danach leben, ihm Raum geben in unserem Leben, es ehren, es anbeten, es weitersagen, dann wird es bei uns bleiben! Und dann haben auch wir einen Ort zu bleiben, eine Ruhestätte, eine heilige Wohnung.

Am Ende kommt es doch nicht darauf an, ob wir eine schöne Wohnung hier auf der Erde haben, ob wir ein großes Haus haben oder eine kleine Mietwohnung. Am Ende ist es doch entscheidend, ob wir in Verbindung sind, mit Gott und in der Beziehung mit ihm bleiben.

Das ist der Ort, wo ich gerne bin: bei ihm und bei den Menschen, die an ihn glauben! Dort finde ich Ruhe. Dort kann ich Wurzeln schlagen. Dort finde ich Zuversicht und Freude und Geborgenheit.

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir,“ so heißt es im Hebräerbrief (Hebr 13,14). Wir Menschen sind und bleiben Pilger auf dem Weg zu einer ewigen Heimat. Wir vertrauen darauf, dass Jesus dort im Himmel für uns eine Wohnung vorbereitet hat, so wie er gesagt hat: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ (Joh 14)

Für heute aber dürfen wir dankbar sein, dass wir eine gute Wohnung haben. Und wir dürfen feiern, dass Gottes Wort bei uns Wohnung nimmt. Wir sollen uns einsetzen für Menschen, die keine Wohnung haben. Vor allem aber sollen wir Gott selbst in unserem Leben Raum geben, denn er möchte in unserer Mitte wohnen. Er hat uns seinen Namen genannt: „ich bin da“ (Ex 3). So können auch wir sagen: „hier bin ich“ (1Sam 3)

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