Montag, 29. Juni 2026

Gastfreundschaft

Elischa und seine Gastgeberin

Predigt 13. Sonntag im Jahreskreis A 2026, Hamburg | Manresa

Les: 2Kön 4,8-11.14-16a (4,8-16a); Röm 6,3-4.8-11; Mt 10,37-42

Das verbindende Thema der heutigen Lesungen ist die Gastfreundschaft.

1/ Gastfreundschaft in den Lesungen

Der Prophet Elischa wird in Schunem von einer vornehmen Frau (und ihrem Mann) aufgenommen, die ihm ein Zimmer herrichten: ein kleines, gemauertes Obergemach mit Bett, Tisch, Stuhl und Leuchter; mehr braucht es nicht! Elischa ist dankbar für diese Gastfreundschaft und möchte sich erkenntlich zeigen. Soll er ein Wort beim Obersten des Heeres für sie einlegen? Nein, sie wollen nichts haben für ihren Dienst. Sein Diener Gehasi aber ahnt, womit er der Frau und ihrem Mann eine große Freude bereiten konnte; mit einem Kind, das Gott ihnen schenken möge.

Die Jünger, die zwölf Apostel, die von Jesus ausgesandt wurden (vgl. Mt 10,12f.), um das Evangelium zu verkünden, sind auf Gastfreundschaft angewiesen, denn sie haben kein Geld dabei, keine Vorratstasche, und sie hoffen darauf, dass man sie aufnimmt, einfach aus Gastfreundschaft; und vielleicht auch, weil sie Jünger Jesu sind. 

Sie sind keine bekannten Propheten, sie sind keine großartigen Gerechten, sie sind einfach, „kleine“ Leute, die das Himmelreich verkünden und die Botschaft Jesu auf ihre Weise leben.

Die Rede von der Gastfreundschaft im Evangelium ist also Auftrag an die Gemeinden, Gastfreundschaft zu geben und zugleich Ermutigung für die Jünger, sie anzunehmen.

2/ Gastfreundschaft in Lübeck

Gestern fand die Wallfahrt des Erzbistums „auf den Spuren der Lübecker Märtyrer“ statt. Ich selbst bin mit einer Gruppe von Reinfeld aus etwa 20 km auf den Jakobsweg bis nach Lübeck gelaufen. Unser Ziel war die Lutherkirche bzw. die Propstei Herz Jesu, wo die vier Lübecker Märtyrer gewirkt haben. Die Gruppe bestand aus etwa 14 Personen, die von Hamburg aus gelaufen sind. Dazu kamen noch einmal ebenso viele Menschen, die sich in Reinfeld der Gruppe angeschlossen haben. Eine vielfältige Gruppe, die meisten kannten sich nicht und waren doch durch das Ziel und die Botschaft, durch Gesang und Gebet und durch den Rhythmus der Schritte schnell miteinander verbunden. Der Weg ging meist durch den Wald, vorbei an der Trave. So war es trotz der hohen Temperaturen eine erträgliche Wanderung.

Besonders gerne erinnere ich mich an den Moment, als wir am Ziel ankamen, an der Kirche Herz Jesu. Wir wurden schon erwartet, einige Leute aus der Pfarrei und vom Erzbistum, unter anderem Propst Giering und Erzbischof Heße begrüßten uns persönlich, sie reichen uns (wirklich!) einen Becher frischen Wassers, den wir dankbar entgegennahmen. Dann wurden wir in den Garten hinter dem Pfarrheim geführt, wo uns ein Platz zum Ausruhen bereitet war: gedeckte Tische mit Obst und Getränken, Herzhaftes und Süßes, wir wurden sogar bedient. Die Gemeinde hat sich wirklich große Mühe gegeben. 

Es gab noch zwei andere Fußgruppen und eine Fahrradgruppe. Es waren am Ende etwa 80 Pilgerrinnen und Pilger, die unterwegs waren. Ein schönes Erlebnis, aber sicherlich hätten es deutlich mehr sein können. 

„Naja, bei der Hitze …“, so mag sich manche und mancher gedacht haben, „tue ich mir das nicht an.“ Irgendwie verständlich, wenn man alt oder krank oder schwach ist; aber Hand aufs Herz: es ist doch oft auch der innere Schweinehund, den es zu überwinden gilt. Das kann ich jedenfalls von mir sagen, weil ich am Freitag auch überlegt habe, ob ich mir das wirklich antun soll.

Einige, die aus guten Gründen nicht mitgehen wollten oder konnten, sind zur hl. Messe zum Abschluss gekommen und haben so Anteil genommen.

3/ Gefährdete Gastfreundschaft

Und damit sind wir beim dritten Punkt der Gastfreundschaft. Sie ist immer wieder gefährdet, von allen Seiten: Von denen, die Gastfreundschaft erbitten, denn es ist ja mühsam und eine Selbst-Überwindung von jemand anderem etwas zu erbitten. Einfach zu fragen, das kostet etwas! Und sie ist gefährdet von jenen, die Gastfreundschaft gewähren. Denn das ist wirklich Mühe, das alles vorzubereiten. 

Gastfreundschaft ist immer wieder eine Herausforderung. Sie ist wunderbar, wenn sie gelingt und sie ist mühsam und mit Bereitschaft zum Investissement verbunden: Etwas auf sich nehmen, sich selbst überwinden, sich selbst in einer gewissen Weise loslassen, sich trauen, etwas wagen.

Jeder und jeder hat hoffentlich die Erfahrung schon gemacht, was Gastfreundschaft bedeutet, zum Beispiel auch hier in der Gemeinde beim Gastfreundschafts-Projekt mit den Einladungen zum Abendessen und zum Erzählen. Das Projekt gibt es seit über einem Jahr, es ist klein und mühsam, es gibt viele Widerstände und Gefährdungen, aber wenn es gelingt, dann wird etwas von der Herrlichkeit und Freiheit der Kinder Gottes deutlich, die eine neue Art und Weise des Zusammenleben versuchen. Es ist schwierig, darüber zu reden, und das Projekt hat es nicht einmal hier auf der Webseite in den „Blog“ geschafft, weil es um kleine, oft verletzliche und gar nicht so öffentlichkeitswirksame Erfahrungen geht bei der Gastfreundschaft.

Die Eltern und die Familie werden nicht unwichtig. Die Eltern lieben, die Kinder lieben, das ist gut; und Jesus stellt es nicht infrage. Es braucht keine eigene Begründung, es gibt eine natürliche Motivation. Jesus geht es darum, auch die anderen zu lieben und in diesem Evangelium sind konkret zunächst einmal die anderen Christen gemeint, die das Wort verkündigen und der Gastfreundschaft deshalb bedürfen.

Darin besteht die Nachfolge Jesu: ihn zu lieben, und nicht nur die eigene Familie zu lieben. Und ihn sogar im Zweifelsfall mehr zu lieben als die eigene Familie.

Was bedeutet denn „mehr lieben“? Für den heiligen Ignatius war „mehr lieben“ (lat. magis amare), ein wesentlicher Gedanke. Und wie man Jesus nachfolgt und ihn dabei „mehr lieben“ lernt, dazu hat er ein eigenes Buch geschrieben: die Exerzitien, auf Deutsch die geistlichen Übungen.

Das Ziel des Buches, das Ziel der Exerzitien, findet sich im Kern genau in dieser Bitte, die er denen, die Exerzitien machen, mitgibt: „Innere Erkenntnis des Herrn erbitten, der für mich Mensch geworden ist, damit ich mehr ihn liebe und ihm nachfolge.“ (EB 104)

Dieses „mehr“ / magis ist nicht quantitativ gemeint im Sinne von: noch eine Wallfahrt mehr, noch ein Gebet mehr, noch ein Amt in der Kirche, noch ein Dienst, noch ein Opfer. Sondern es ist qualitativ gemeint: die Art und Weise wie ich Jesus liebe, darauf kommt es an! 

Und wie ich Jesus liebe, das zeigt sich dann ganz konkret auch in der Weise, wie ich mit den Menschen umgehe, die ihn lieben, die zu ihm gehören, d.h. wie ich die Jüngerinnen und Jünger Jesu, wie ich die Kirche liebe. Wie gesagt, ganz konkret, das kann ein Becher frisches Wasser sein, den ich den Pilgernden zu trinken gebe.


Nothing is more practical 

than finding God, 

than falling in Love 

in a quite absolute, final way.

What you are in love with, 

what seizes your imagination, 

will affect everything.

It will decide 

what will get you out of bed in the morning,

what you do with your evenings,

how you spend your weekends, 

what you read, 

whom you know, 

what breaks your heart,

and what amazes you with joy and gratitude. 

Fall in Love, 

stay in love, 

and it will decide 

everything.

Pedro Arrupe SJ (1907–1991)


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