Montag, 25. Mai 2026

Crossconnection

Predigt Pfingstvigil 2026

Lesung: 1Petr 2,3-5 (= GL 653) „Denn ihr habt gekostet, wie gütig der Herr ist. Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist! Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen!“

Liebe Geschwister im Glauben, haben Sie schon einen Instagram-Account? Haben Sie einmal darüber nachgedacht, sich einen anzulegen?

Vor einigen Tagen schrieb mir Christian Busemann, mit dem ich regelmäßig einen Podcast aufnehmen: „Ich finde, Du solltest einen Insta-Account machen!“ Seine Begründung: „Du würdest viele Leute aus den Messen und Kursen versammeln und durch die crossconnection, könnten es immer mehr werden - und immer mehr kämen in die Kirche.“

Ich schätze Christian Busemann sehr. Er ist ein Autor, Familienvater und Medienmensch, der den katholischen Glauben für sich vor einigen Jahren auf einer Pilgerwanderung nach Assisi neu entdeckt hat und in der katholischen Kirche gefirmt wurde. Schon damals hatte er die Idee mit einem Podcast, um spirituell suchende Menschen zu erreichen und all diejenigen, die ein besseres Verständnis vom Glauben und seiner praktischen Umsetzung bekommen möchten.

Für den monatlichen Podcast von etwa 30 Minuten, den ich mit ihm nun seit über einem Jahr aufnehme, suchen wir Themen, die die spirituelle Tradition des christlichen Glaubens in der katholischen Kirche für heute erkunden: Geistlich – praktisch – gut, so haben wir gesagt; in Anlehnung an das Motto, das Jeronimo Nadal, ein Gefährte des Ignatius von Loyola für die spirituelle Tradition der Jesuiten erfunden hat: spiritu – corde – practice, d.h. geistlich, herzlich, praktisch.

Es macht mir Freude, den Podcast aufzunehmen und über die Themen des Glaubens zusammen nachzudenken. Und das überträgt sich offenbar. Wir erreichen mit jeder Folge in etwa 300 – 400 Personen. Das sind mehr als hier in die hl. Messe kommen.

Wir sind inzwischen bei Folge 15 über den hl. Ansgar, davor gab es eine Folge, wie man die Bibel lesen kann oder was Einsamkeit bedeutet. Sie sehen, es sind verschiedene Themen; vielfach gehen wir davon aus, was uns als Frage im Alltag begegnet. 

Nun also zurück zu dem Vorschlag von Christian Busemann, ich solle einen Insta-Account machen. Wie gesagt, ich schätze Christian Busemann, aber in diesem Fall bin ich nicht seiner Meinung.

1/ Instagram hat, durch die hervorragende Technik und die vielen Algorithmen, ein großes Suchtpotenzial. Es ist in alle Richtungen unendlich. Man kann von einer Person zur anderen, von einem Thema zum nächsten, von einem Bild zum nächsten, von einem Video zum nächsten Video wischen – es hört nie auf!

2/ Nicht alle Inhalte bei Instagram sind hilfreich und gut. Zu einem christlichen Leben mit den Gelübden gehört auch das Gelübde der Keuschheit; ich übersetze es gerne mit „bei sich bleiben können“ – und Instagram bewirkt bei mir das Gegenteil. Und ich möchte da nicht auch noch mitmachen. Obwohl ich weiß, dass es auch viel Gutes dort gibt.

3/ (und das ist das Entscheidende): Es geht mir ja gar nicht darum, dass ich selbst möglichst viele Follower habe oder Menschen versammle. Es geht mir darum, dass Menschen in die Kirche kommen; auch ohne mich. Wenn ich dazu hilfreich sein kann, wenn ich Zeuge der Hoffnung sein kann, ist das wunderbar. Aber ich würde mir wünschen, dass sie sich selbst mit Christus verbinden und immer mehr auf seinen Geist hören.

Ja, es stimmt, ich versuche Menschen miteinander zu vernetzen. Ich möchte wie eine Brücke sein, die Menschen miteinander verbindet. Und ich wünsche mir sehr, dass es hier bei Manresa oder bei den Kursen viel „crossconection“ gibt, so dass Menschen voneinander wissen, sich gegenseitig bereichern, im Glauben und vielleicht sogar in den Sorgen und Nöten des Alltags unterstützen; das ist wirklich mein Herzenswunsch und meine Bitte an Gott, wenn ich Menschen zu Christus einlade. Wenn ich sie einlade, „zu kosten, wie gütig der Herr ist.“ (Kommunionvers).

Der Petrusbrief, aus dem wir gerade gehört haben, formuliert eigentlich den gleichen Wunsch, nämlich Menschen zu Christus zu führen: „Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist“ (1Petr 2,4)

Sicherlich: er benutzt ein ganz anderes Bild. Er redet nicht von social media, um über den Glauben zu reden. Weil der Autor in der Antike lebt, die geprägt ist von wunderbaren, großen Bauten aus Stein, von prächtigen Tempeln und Stadien, nutzt der Autor das Bild von einem Haus-Bau, wenn er von „crossconnection“ redet. „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen!“ (1 Petr 2,5)

Ich glaube, das ist wirklich Kirche: Menschen, die auf eine geistige Weise mit Jesus Christus und miteinander verbunden sind. Menschen, die ein geistiges Haus aufbauen, einen „Raum“, in dem Begegnung mit Gott möglich wird. Ein Raum für echte Begegnungen, nicht nur online oder digital. Eine Crossconnection, die eine Form von Dank und Anbetung und Hingabe lebt, geistige Opfer, d.h. eben keine blutigen Opfer – davon gibt es in dieser Welt gerade zu viele. Sondern Opfer des Lobes und des Dankes. Das ist es, was Gott gefällt. Amen!

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