Predigt 17. Sonntag im Jahreskreis A, 26.07.2026, Hamburg | Manresa
Les: 1Kön 3,5.7-12; Röm 8,28-30; Mt 13,44-52
Heute werden fünf Erwachsene getauft und gefirmt, fünf treten in die katholische Kirche und werden gefirmt, eine junge Frau wird gefirmt. Sie alle haben sich in den vergangenen Monaten darauf vorbereitet und freuen sich auf diesen Tag.
Denn diejenigen, die heute getauft, in die Kirche aufgenommen und gefirmt werden, haben einen Schatz gefunden! Sie haben mitten in ihrem Leben etwas gefunden, das sie mit Freude erfüllt und für das sie bereit waren, einiges einzusetzen: Eine Zeit der Vorbereitung mit regelmäßigen Abendtermin, die Suche nach einer Patin oder einem Paten, oder auch die Bereitschaft, diese Entscheidung gegenüber anderen Menschen in ihrem Umfeld und in ihrem Freundeskreis, die dem Glauben ablehnen oder gleichgültig gegenüberstehen, zu begründen und zu vertreten.
Mitten in ihrem Alltag, in dem wir so oft den Eindruck haben, dass Gott wie abwesend ist, haben einige von ihnen eine Entdeckung gemacht, etwas Besonderes gesehen, was vorher niemand gesehen hat. Wie N., die mitten in ihrem Alltag als Pflegerin eine Freundin kennen lernte, die ihr von Gott erzählte.
Für andere ist der Glaube eher wie eine kostbare Perle, nach der sie lange gesucht haben, teilweise in anderen Religionen oder anderen Konfessionen. Sie haben aktiv gesucht und haben nun etwas gefunden, z.B. durch ein besonderes Ereignis, wie zum Beispiel die Geburt eines Kindes, das als Wunder des Lebens plötzlich ganz augenscheinlich und nahe liegend ihnen den Weg zu Gott eröffnet und eine große Bedeutung in ihrem Leben bekommt.
Sicherlich ist es von der zufälligen Entdeckung einerseits oder der aktiven Suche mit dem Interesse am Glauben anderseits bis hin zu dieser Entscheidung, alles dafür zu geben und Gott im Leben den ersten Platz einzuräumen, manchmal noch ein langer Weg mit Höhen und Tiefen. Aber entscheidend ist doch: Irgendwann wird mit dem neuen Fokus im Leben auch die Angst kleiner, etwas Wichtiges zu verlieren, und dann kommt die Erkenntnis: „Gott nimmt uns nichts und schenkt uns alles.“ (Benedikt XVI).
Was braucht es, um heute und hier diese Entscheidung treffen zu können? Denn es ist in der westlichen Welt heute und ganz besonders in einer so säkularen Stadt wie Hamburg alles andere als selbstverständlich, den Glauben zu leben und zu ihm zu stehen.
Muss man die Bibel gelesen haben oder den Katechismus? Muss man die wichtigen Gebete auswendig können oder die sieben Werke der Barmherzigkeit nennen? Muss man die Dogmen der Kirche kennen? Was braucht es, um heute und hier wirklich „ja“ sagen zu können, um Jesus nachzufolgen?
Formal ist es klar: Man muss den Glauben bekennen. Aber ich glaube, es braucht heute außerdem wenigstens eine Ahnung davon, was Salomon von Gott erbittet: ein hörendes Herz! (1Kön 3, 9)
Was ist ein hörendes Herz? Salomon hat, so träumt er, einen Wunsch frei. Er antwortet Gott dann im Traum nicht sofort, so als müsste er erst nachdenken. Er schaut auf sein Leben, was schon alles geschehen ist, und spürt dann: ihm fehlt noch etwas Wichtiges. Salomo, der inzwischen König geworden ist, gut situiert, sucht seinen Ort in der Geschichte, inmitten seines Volkes! Er bekennt demütig, dass es ihm angesichts seiner großen Verantwortung an Erfahrung fehlt, dass er manchmal Fragen und Zweifel hat. „Ich bin noch sehr jung,“ so sagt er, „und weiß nicht aus noch ein.“ (1Kön 3,7). Und deshalb bittet er um ein hörendes Herz, „damit er das Volk regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht.“ (1Kön 3,9)
Am vergangenen Sonntag ging es in den Lesungen auch um Gut und Böse, das manchmal im Leben nebeneinander liegt. Und heute geht es um die Gabe, Gut und Böse zu unterscheiden. Sie ist gleichbedeutend, so die Lesung, mit der Einsicht, auf das Recht zu hören. (1Kön 3,11).
Ein hörendes Herz meint also nicht allein Klugheit und Erkenntnis, d.h. intellektuelle Kräfte, sondern es meint auch die Gabe der Einsicht, der Weisheit, der Unterscheidung. Der Mensch soll mit allen Kräften, die ihm gegeben sind (Gedächtnis, Wille und Verstand) und mit der Orientierung an der Gerechtigkeit und dem Recht, die ihm vorgegeben sind, ein Gespür entwickeln für das, was jetzt gerade, in diesem Moment, an diesem Ort, zu dieser Zeit, für diese Person, das richtige ist.
Ein hörendes Herz hat er mit der Bereitschaft zu tun, nach Gottes Willen zu suchen und entsprechend zu handeln. Und es hat vor allem mit der Liebe zu tun: „Denn wir wissen, dass denen die Gottlieben, alles zum Guten gereicht.“ (Röm 8,28)
Ein hörendes Herz hat immer mit der eigenen Begabung und den eigenen Kenntnissen zu tun, aber es nimmt auch die Gefühle wahr (die Freude, die Dankbarkeit, aber auch die Angst und die Traurigkeit usw.). Ein hörendes Herz vermag es, mit alldem und aus dem Vertrauen auf Gott die notwendigen Entscheidungen zu treffen.
Der Bauer, der den Schatz im Acker findet, hat ein hörendes Herz, denn er hat die Freude gespürt, die ihm dieser Fund bereitet. Der Kaufmann hat ein hörendes Herz, denn er nimmt die Schönheit der Perle wahr. Der Fischer hat ein hörendes Herz, denn er kann die guten Fische von den schlechten unterscheiden.
Diejenigen, die sich heute taufen lassen, in, in die Kirche eintreten, gefirmt werden, haben für diese Entscheidung auf ihr Herz gehört und sich nicht nur an der Lehre oder an der Gerechtigkeit orientiert. Und ich hoffe, sie werden das weiterhin tun. Wie wäre es Gott immer wieder auch darum zu bitten, um ein hörendes Herz?
Um ein hörendes Herz bitten, das bedeutet auch Christus ähnlich werden, „an Wesen und Gestalt“ (Röm 8,29), denn er hatte ein Herz für uns Menschen.
Wenn wir gleich die Taufe feiern, dann geschieht darin nicht nur die Vergebung der Sünden, sondern auch die Eingliederung in Christus. „Denn ihr alle, die auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen“ (Gal 3,27), so werden wir es gleich bei der Übergabe der Taufschals hören. Taufe bedeutet Christus ähnlich werden, durch die Verbindung mit seinem Tod und seiner Auferstehung und ein Teil der Kirche zu werden.
Wenn wir gleich Firmung feiern und die sieben Gaben des Heiligen Geistes auf die Firmanden herabrufen, u.a. Weisheit und Einsicht, dann sollen sie ihnen genau dafür dienen: ein hörendes Herz zu bekommen und immer mehr zu liebenden Menschen zu werden, um die Freude wahrzunehmen, dass wir geschaffen erlöst und geheiligt sind und teilhaben am Reich Gottes und daraus leben dürfen. Jetzt schon. Amen.
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