Predigt zum Schuljahresbeginn – Mitarbeitende in den katholischen
Schulen des Erzbistums Hamburg, Hl. Messe im Kleinen Michel, 3.9.2026
Lesungen: 2 Kor 4, 1–2.5–7 (Dr. Haep); Lk 22, 24–30 (P. Modemann SJ)
Liebe Lehrer.innen, liebe
Betreuer.innen, liebe Mitarbeiter.innen der Schulabteilung - und alle, die an
und für Schule im Erzbistum Hamburg beruflich tätig sind!
Die Texte, die Sie gehört haben,
sind die Lesungen zum Fest des hl. Gregor, den die Kirche heute feiert. Sie
passen gut zum heutigen Tag und so haben wir sie im Vorbereitungsteam
ausgewählt. Ich möchte zu der ersten Lesung etwas sagen.
Was machen Sie mit einem Schatz? Wo
tun Sie ihn hin? Was ist dafür der passende Ort? Hoffentlich haben Sie in den
vergangenen Wochen, seit dem Beginn des Schuljahres, schon ein paar Schätze
sammeln können, die sie gerne aufbewahren möchten: schöne Momente mit den
Schülerinnen und Schülern, herausragende Gespräche mit den Kolleg.innen, Ereignisse,
die sie bewahren möchten.
Nach den Ferien haben Sie den
Dienst wieder aufgenommen: viel organisieren, neue Kinder empfangen, neue
Kolleginnen und Kollegen begrüßen, Elterngespräche führen, etc. Es gibt
Bauvorhaben, viele schöne Projekte. Aber gab es etwas, das Sie besonders
berührt oder bewegt hat? Oder vielleicht einfach nur zwischendurch das Gefühl,
dass Sie morgens gerne aufgestanden sind, oder dass Sie da genau richtig sind,
wo Sie gerade sind?
Das sind doch Schätze! Also: Wo
tun Sie diese Schätze hin? Was ist Ihre „Schatztruhe“? Denn normalerweise gibt
es für einen Schatz es eine wertvolle Umhüllung, so dass für mich und für
andere auf den ersten Blick klar wird: das ist besonders, wertvoll, es soll bewahrt
werden. [Schatztruhe]
Der Apostel Paulus spricht in
seiner Lesung auch von einem Schatz. Wir haben es gerade gehört. Einen Schatz,
den wir allerdings nicht einer Truhe, sondern in zerbrechlichen, alltäglichen
Gefäßen tragen [Tasse].
A. Was
ist dieser Schatz?
Zunächst einmal: Was ist dieser
Schatz, von dem Paulus spricht? Paulus erklärt und fängt am Anfang an: Als Gott
die Welt erschuf, und das Licht und die Finsternis, und Himmel und Erde, auf
der es Menschen geben sollte. Menschen, wie Du und ich, die eine besondere
Erfahrung machen dürfen, die Erfahrung, dass sie von Gott grundlegend geliebt
sind. Das ist der Schatz, um den es geht.
Ich glaube, wir Menschen haben
eine dreifache Berufung:
1/ Die erste Berufung ist die Berufung zum Mensch-Sein. Wir alle sind berufen
als Menschen zu leben, in dieser Welt. Wir sind ins Leben gekommen, weil Gott
es gewollt hat.
Diese Berufung teilen wir mit
allen Menschen dieser Welt. Wir sind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, das
ist unsere unverlierbare Würde. Dafür stehen die Könige, wenn wir sie nun auf
Reisen durch die katholischen Schulen schicken: für die „königliche“ Würde
eines jeden Menschen, vor aller Leistung und trotz aller Schuld. Diese Würde für
uns selbst und für andere zu respektieren und sie zu leben, dafür tragen wir
die Verantwortung.
2/ Die zweite Berufung ist die Berufung zum Christ-Sein. Sie haben wir
durch den Glauben und die Taufe erhalten und wir teilen Sie mit allen Christen.
Wir sind berufen, als Kinder Gottes zu leben. So heißt es im Johannes-Prolog
„Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“ (Joh
1). Auch das ist eine Verantwortung, denn diese Macht ist vor allem ein Dienst
für andere. Durch die Salbung haben Christen Anteil an dem königlichen,
priesterlichen und prophetischen Amt Christi: Mit Christus, dem wahren König,
werden sie sein Königreich leben.
3/ Und dann gibt es noch die ganz persönliche Berufung, je individuell
und einzigartig, die wir im Laufe unseres Lebens hoffentlich entdecken und
leben. Vielleicht ist ihr Beruf so eine Berufung, vielleicht ist ein besonderer
Aspekt des Glaubens, eine Begabung, usw. Wer diese eigene Berufung lebt
und wer das Leben nicht nur für sich selbst lebt, sondern in Beziehung mit
anderen, der erhält tatsächlich etwas so Wertvolles - wie einen Schatz.
Paulus hat dies erfahren, und er
kann bezeugen: dieser Schöpfergott, der am Anfang das Licht erschaffen hat, er
selbst ist in unseren Herzen aufgeleuchtet.
Für ihn war es tatsächlich ein
Moment der Bekehrung auf dem Weg nach Damaskus, als er innerlich ein helles
Licht sah, zunächst um ihn selbst zu erleuchten (Apg 9). Diese Erfahrung bleibt
jedoch nicht singulär, auch andere haben solche Erfahrungen gemacht, ein Licht
wie eine Sonne, um dann auch zu leuchten für jene, zu denen sie gesandt wurden.
Und das trotz seiner Situation der Verfolgung, der Verleumdung, der
Beschimpfung, die er nicht unerwähnt lässt.
Menschlich gesprochen ist es die
Erkenntnis des Glaubens, des Vertrauens. Theologisch gesprochen ist es die
Herrlichkeit Gottes, die in einem Menschen aufleuchtet.
Wer das Alte Testament kennt: Paulus
spielt hier, auf die Erfahrung des Moses an. Er war Gott begegnet, und dann
strahlte sein Gesicht, so dass er danach ein Tuch über sein Gesicht legen
musste (Ex 34).
Man erkennt das Licht, die „Erkenntnis-Herrlichkeit“,
jedoch nur mit den Augen des Geistes. („Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das
Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“) Die Herrlichkeit Gottes bleibt
irdischen und verblendeten Augen verhüllt. Denn der Ort der Erleuchtung ist
eben das Herz.
Das Leuchten wird nach außen
sichtbar, durch das Tun und das Sein. Und dann wird jede Person zu einem
Gesicht Christi, zum „Antlitz Christi“. Wer ist das also Antlitz Christi? Ihr
seid das Antlitz Christi! Das ist die Pointe bei Paulus.
Also: der Schatz ist dieses
Leuchten in den Menschen, die erfahren haben, dass Gott sie liebt, das ist die Herrlichkeit
Gottes in Ihnen. Paulus schreibt diese Worte an die Gemeinde in Korinth, aber er
spricht von einer allgemeinen Glaubenserfahrung. In einem weiteren Sinn spricht
Paulus also alle Christen an.
B. Warum
tragen wir ihn in zerbrechlichen Gefäßen?
Paulus sagt nun, dass dieser
Schatz in einem gewöhnlichen Alltagsgefäß aufbewahrt wird, indem man ihn nicht
vermutet. Es geht nicht so sehr darum, dass dieses Gefäß zerbrechen könnte, dann
würde es seine Funktion als Gefäß gar nicht mehr erfüllen. Sondern: Es ist ein
normales, alltägliches, unansehnliches Gefäß, obwohl es doch ein besonders
kostbarer Schatz ist.
Betont Paulus dies, weil er sagen
will, dass wir nicht perfekt sein müssen, um diesen Schatz zu empfangen? Dass
es nicht um eine goldene, makellose Schatztruhe geht, wenn Gott diesen Schatz
schenkt?
Betont er, dass es ein Schatz
ist, der im Alltag gelebt werden will, d.h. der nicht nur für sonntags oder für
besondere Momente aufbewahrt werden soll, sondern für jeden Tag? Dass es ein
Schatz ist, der allen Menschen zukommen möge, nicht nur den Reichen.
Paulus nennt einen Grund. Er sagt:
„So soll deutlich werden, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns
kommt“. Das meint: Wenn wir aus dem Glauben an Gott leben, dann wird dieser
Schatz in uns, in unserem Alltag, eine Kraft entfalten, die über unsere
Begrenzungen hinausgeht. Diese Kraft entfaltet sich in uns, damit wir uns für
die Würde aller und für das Reich Gottes einzusetzen können. Diese Kraft steht in
keinem Verhältnis zu dem, was wir selbst durch unsere Ausbildung, unsere
Klugheit, unsere eigenen Ressourcen usw. vermögen.
Das meint nicht, dass wir über
unsere Kräfte hinaus arbeiten sollen, dass wir uns selbst ausbeuten, völlig
verausgaben! Sondern es meint, dass Gottes Kraft stärker ist als die Bedrängnis
und dass wir, indem wir aus seiner Kraft leben, mehr erwarten dürfen, als wir Gott
(und uns selbst?) je zugetraut hätten: Dass wir im Dienst am Ende selbst
bedient werden (Lk 22,24!)
Ich wünsche Ihnen, dass Sie im
neuen Schuljahr, dass Sie immer wieder mal einen Schatz finden, ihn in die
Truhe oder besser, das Gefäß, legen. Dass Sie Ihre Berufung leben können in
ihrem Dienst, trotz Widerständen und Herausforderungen und dass Sie das innere
Leuchten, die Herrlichkeit Gottes, der Sie liebt, der Sie geschaffen, erlöst
und geheiligt hat, auch für andere ausstrahlen mögen. Amen.
Den Gedanken der dreifachen Berufung habe von Herbert Alphonso SJ, Die
persönliche Berufung, Münsterschwarzach 92020, übernommen. Seine
Idee stammt aus dem Gedicht von T. S. Eliot „The Naming of Cats“.
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